Newsfeed-Tickermeldung - Zentralredaktion/epd-Zentralredaktion
Bielefeldt: Standards zu Menschenrechten zerbröckeln weltweit

Der Theologe und Historiker Heiner Bielefeldt hat einen zunehmenden Druck auf die Menschenrechte weltweit beklagt. "Wir müssen feststellen, dass die Standards zerbröckeln", sagte der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit am Freitagabend im westfälischen Schwerte. Heute könnten sich wieder Staatsoberhäupter wie der philippinische Präsident Rodrigo Duterte mit der Feststellung rühmen "I' m a killer and I' m proud oft it" ("Ich bin ein Killer und ich bin stolz darauf").

Auch 70 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist das Dokument nach Ansicht von Bielefeldt weit davon entfernt, weltweit akzeptiert zu sein. Er widersprach damit der Auffassung, dass in der internationalen Debatte über die Menschenrechte die Standards gesetzt seien und es jetzt vorrangig um die Umsetzung gehen müsse. Das werde wie ein Mantra vor sich hergetragen, kritisierte er.

Bielefeldt sieht aber auch ermutigende Entwicklungen wie die schrittweise Umsetzung der UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen. Bei der Durchsetzung von Standards wie Barrierefreiheit oder gesellschaftliche Teilhabe sei etwa Deutschland durchaus erfolgreich, erklärte der Professor für Menschenrechte an der Universität Erlangen-Nürnberg. Das sei aber vor allem auf zivilgesellschaftliches Engagement zurückzuführen, sagte der Menschenrechtsexperte auf einer Tagung in der Evangelischen Akademie Villigst in Schwerte.

Das gelte auch bei der rechtlichen Gleichstellung von Lesben, Schwulen und Transsexuellen. Europa nimmt nach Ansicht von Bielefeldt dabei keine Vorrangstellung ein. Auch in Südostasien werde diese Fragestellung sehr offen und breit diskutiert, sagte er. Die Debatte über Menschenrechte müsse insgesamt breiter geführt werden, mahnte der Theologe. "Dazu gehören heute der Anspruch auf eine saubere Umwelt, auf Zugang zu sauberem Wasser oder auf fairen Handel."