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Behinderte Künstler gestalten Zisterzienserinnenkirche

Die ausschließlich von behinderten Künstlern ausgestaltete Marienkirche des Sankt Vincenzstifts in Rüdesheim-Aulhausen wird am Sonntag wiedereröffnet. Damit komme eine siebenjährige Sanierung der 800 Jahre alten Zisterzienserinnenkirche zum Abschluss, sagte der Sprecher der Geschäftsführung des Sankt Vincenzstifts, Caspar Söling, am Dienstag. "Wir wollten uns mit echter Kunst messen", sagte er. "Das Projekt ist einmalig", erklärte die Pressestelle der katholischen Deutschen Bischofskonferenz dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die behinderten Künstler des Ateliers Goldstein der Lebenshilfe Frankfurt am Main erhielten 2009 den Auftrag zur vollständigen Gestaltung der entkernten und auf ihre Außenmauern reduzierten Kirche. Weltweit sei sonst kein vergleichbarer Auftrag einer Kirche bekannt, sagte die Leiterin des Ateliers, Christiane Cuticchio, dem epd. Sieben Künstler des Ateliers entwarfen die Fenstermotive, schufen unter anderem ein Bodenmosaik, eine Marienabbildung als Muschelkalk-Intarsie, den Altar und eine überlebensgroße Christusfigur aus Holz.

Die Kosten für die Sanierung betrugen nach Sölings Angaben 450.000 Euro, für die Kunstwerke 400.000 Euro. Für letztere trugen Spender 100.000 Euro bei, die Aktion Mensch für die pädagogische Begleitung der Künstler 130.000 Euro. Die denkmalgeschützte Marienkirche wird am Sonntag mit 200 geladenen Gästen und einem Gottesdienst wiedereröffnet, den der frühere Limburger Bischof Franz Kamphaus leitet. Künftig wird die Marienkirche für Gottesdienste des Sankt Vincenzstifts und als "postmoderne Wallfahrtskirche" genutzt.

Im Sankt Vincenzstift, Mitglied der katholischen Kölner Josefs-Gruppe, leben rund 500 Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung oder Lernbehinderung, gehen dort zur Schule oder arbeiten. Das Frankfurter Atelier Goldstein als Einrichtung der Lebenshilfe wurde 2001 gegründet und bietet derzeit 15 Künstlern mit Behinderungen Arbeits- und Ausstellungsmöglichkeiten.