Das bundesweite Bündnis "Allianz für den freien Sonntag" fordert einen in Deutschland einheitlichen Sonntagsschutz. Die Zahl der Sonntagsarbeiter steige rasant und branchenübergreifend an, teilte das Bündnis von 80 regionalen und kommunalen Initiativen auf einer Konferenz am Mittwoch in Fulda mit. Elf Millionen Erwerbstätige arbeiteten auch sonn- und feiertags, was einen Zuwachs von drei Millionen in den vergangenen 15 Jahren bedeute. Dabei habe der Sonntagsschutz Verfassungsrang.
Die Bundesregierung solle einheitliche Voraussetzungen für den Ladenschluss und die Bedarfsgewerbeverordnung schaffen, forderten die 150 Teilnehmer aus Kirchen, Gewerkschaften, Frauenbund und Landessportbünden in einer Resolution. Außerdem müssten die "unzähligen verkaufsoffenen Sonntage mit Alibianlässen und die ausufernde Zulassung von Sonntagsarbeit" gestoppt werden.
Die Allianz forderte ferner ein Ende des "Rund-um-die-Uhr-Shoppings", das unsozial, familien- und gesundheitsfeindlich sei. Schließlich solle die Bundesregierung einen Bericht zum Sonntagsschutz vorlegen, der den Anstieg der Sonntagsarbeit untersuche und Gegenmaßnahmen vorschlage. Die Allianz wies darauf hin, dass im Sonntagsschutz nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts der Schutz von Ehe und Familie, das Recht auf körperliche Unversehrtheit, die Religionsfreiheit und die Koalitionsfreiheit konkretisiert würden.
Die "Allianzen für den freien Sonntag" gibt es inzwischen in acht Bundesländern. Auf europäischer Ebene ist im vergangenen Jahr eine Allianz gegründet worden, die auf eine Verankerung des Sonntagsschutzes in der europäischen Arbeitszeitrichtlinie drängen will.
Unterdessen reagierten die Kirchen in Freiburg mit Erleichterung auf die Ablehnung eines verkaufsoffenen Sonntags in der Stadt. Mit großer Mehrheit hatte der Freiburger Gemeinderat am Dienstagabend die Zulassung eines verkaufsoffenen Sonntags abgewehrt. Dass eine Stadt wie Freiburg in Sachen Sonntagsschutz nach wie vor konsequent bleibe, sei kein Grund zu Spott und Scham, schreibt der evangelische Dekan Markus Engelhardt auf der kirchlichen Internetseite. Der katholische Dekan Wolfgang Gaber unterstrich, "dass dem Gemeinderat der kulturelle Wert des Sonntags sehr bewusst war".
Der erste verkaufsoffene Sonntag in Freiburg war für den Einzelhandel als Ausgleich für den Umsatzverlust während des Papstbesuches im vergangenen September angedacht gewesen. Beide Kirchen hatten diese Regelung kritisiert.
