Die katholische Kirche in Deutschland eröffnet ihre 54. Fastenaktion "Misereor" am kommenden Sonntag im Speyerer Dom. Solange notwendige entwicklungspolitische Schritte nicht vollzogen werden, werde es immer wieder zu Hunger- und Notsituationen kommen, sagte der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann am Donnerstag in Speyer. Die Hilfsaktion unterstützt seit 1959 Notleidende in Afrika, Asien und Lateinamerika.
Wiesemann kritisierte, dass es in Deutschland immer noch nicht gelungen sei, 0,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts für die Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen, obwohl die Regierungen dies bereits vor 40 Jahren vereinbart hätten. Auch das vor zwölf Jahren auf dem Millenniumsgipfel vereinbarte Ziel, bis 2015 die Armut in der Welt zu halbieren, sei nicht mehr erreichbar. Solange es nicht gelinge, solche Minimalziele zu erreichen, seien arme Menschen im Süden auf Solidarität angewiesen. Ihnen zu helfen, sei die Aufgabe der Christen.
Die Fastenaktion 2012 stehe unter dem Leitwort "Menschenwürdig leben - Kindern Zukunft geben", sagte "Misereor"-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer. In den Elendsvierteln dieser Welt lebten eine Milliarde Menschen, darunter 400 Millionen Kinder und Jugendliche, deren Start ins Leben besonders gefährdet sei. Dies sei unwürdig in einer Welt, die so viele Luxusgüter habe wie noch nie. Wenn Hungernde für die Regierenden eine geringere Rolle spielten als der Finanzsektor, müssten Christen sagen, dass etwas schieflaufe.
"Misereor" begreife es als anwaltliche Aufgabe, darauf hinzuweisen, dass Kinder in der Welt hungerten, weil mit Lebensmitteln spekuliert werde, sagte Sayer. Seine Organisation werde auch das Bemühen um Freihandelszonen kritisch begleiten. Es dürfe nicht sein, dass große Konzerne in Ländern wie Indien auf den Markt drängten und kleine Unternehmer und Produzenten verdrängten, die dann vor dem Nichts stünden.
Rund 10.000 katholische Pfarrgemeinden in Deutschland beteiligen sich nach Angaben von "Misereor" in diesem Jahr an der Aktion, die im vergangenen Jahr mehr als 17 Millionen Euro eingebracht habe. Das 1958 von der Deutschen Bischofskonferenz gegründete Hilfswerk fördere damit aktuell etwa 3.600 Projekte in fast 100 Ländern.
