Die Islam-Beauftragte der SPD, Lale Akgün, hat eine kritischere Distanz der deutschen Politik zum Islam-Verband DITIB gefordert. Die DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) als größter Verband von Muslimen in Deutschland habe "Machtgelüste" und "reaktionäre Gesinnungen", warf Akgün dem Verband in einem Artikel im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstagsausgabe) vor. Es müsse genauer geprüft werden, welche Inhalte von DITIB und der mit ihr eng verbundenen türkischen Behörde Diyanet verbreitet würden.
Der DITIB als einem Ableger der staatlichen türkischen Religionsbehörde gehe es nicht um Religion, sondern um die "Deutungshoheit über das Soziale", kritisierte die Kölner Bundestagsabgeordnete. Als Beispiel nannte sie einen mittlerweile aus dem Internet entfernten Leitfaden der türkischen Behörde Diyanet für "gute und vorbildliche muslimische Frauen". Darin seien "frauenfeindliche Vorschriften" wie etwa das Alleinreise-Verbot für Frauen enthalten gewesen.
Das "Gefährliche" sei, "dass sowohl Diyanet in der Türkei als auch DITIB in Deutschland ihren moralischen Einfluss auf die Menschen ausnutzen, indem sie moderne Normen und Umgangsformen, die auch in der Türkei schon lange den Alltag bestimmen, schlichtweg abzuschaffen versuchen", erklärte Akgün. Die Vertreter von Diyanet und DITIB verstünden ihre Lebensart "nicht als Angebot im Wettbewerb der Ideen, sie verstehen sie als Dogma". (d62606/2.6.2008)