Die Evangelische Telefonseelsorge hat den Gesetzentwurf zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung kritisiert. Die geplante sechsmonatige Speicherung der Daten von Telefongesprächen, E-Mails und Internetaktivitäten ab Herbst beschädige das Beicht- und Seelsorgegeheimnis, erklärte am Montag der stellvertretende Vorsitzende des Dachverbandes der Evangelischen Telefonseelsorge in Deutschland, der Essener Pfarrer Werner Korsten. Aus Sicht der Kirche sei das Beicht- und Seelsorgegeheimnis ein besonders hohes und schützenswertes Gut.
Die evangelische Telefonseelsorge unterstütze deshalb die "Gemeinsame Erklärung" des "Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung", heißt es weiter. Der Arbeitskreis hat die Bundesregierung aufgefordert, das Gesetzgebungsverfahrens auszusetzen, bis alle rechtlichen Fragen ausreichend geklärt seien. Die Pläne höhlten die Anwalts-, Arzt-, Seelsorge-, Beratungs- und andere Berufsgeheimnisse aus und begünstigten Wirtschaftsspionage. Außerdem untergrüben sie den Schutz journalistischer Quellen und beschädigten die Pressefreiheit.
Gerade für Menschen, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befänden, sei es wichtig, dass ihr Kontakt zu seelsorglichen oder beratenden Einrichtungen oder Personen ihr persönliches Geheimnis bleibt, begründete Kosten die kirchliche Kritik. Der von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) vorgelegte Entwurf werde die bisherige Situation erheblich verschärfen. Bislang habe jeder Bürger die Möglichkeit, die unverzügliche Löschung der eigenen Telefonnummer nach Beendigung des Gespräches zu verlangen.