Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) fordert erneut ein Auftrittsverbot des jamaikanischen Reggae-Musikers und Sängers Sizzla Kalonji. "Hierzulande darf kein Interpret auftreten und auch noch Geld verdienen, der zu Mordtaten an Schwulen und Lesben aufruft und für Morde an Schwulen auf Jamaika womöglich mitverantwortlich ist", erklärte der LSVD am Montag in Köln. Der Verband appellierte an die verantwortlichen Konzertmanager, die für diese Woche in Berlin, München, Stuttgart und Wuppertal geplanten Konzerte abzusagen.Bereits im September seien die Polizeibehörden der vier betroffenen Städte, das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium (BMI) auf die geplanten Konzerte von "Sizzla" hingewiesen worden, erklärte der LSVD. Dabei seien Auswärtiges Amt und BMI daran erinnert worden, dass sie im vergangenen Jahr gemeinsam ausländerrechtliche Maßnahmen zur Verhinderung einer Einreise Sizzlas in den Schengen-Raum getroffen hatten. Daraufhin mussten Konzerte Sizzlas abgesagt werden.
In einem Schreiben vom Oktober diesen Jahres habe das BMI nun auf die Zuständigkeit der Länder Bayern, Baden-Württemberg, Berlin und NRW "für präventive und repressive Maßnahmen im Zusammenhang mit den vorgesehene Auftritten" verwiesen, erklärte der LSVD. Die Bundesministerien regten die zuständigen Landesbehörden an, die Auftritte aufmerksam zu beobachten und "gegebenenfalls in eigener Verantwortung geeignete Maßnahmen der Gefahrenabwehr beziehungsweise der Strafverfolgung zu ergreifen, um den Vortrag strafbewehrten Liedgutes zu verhindern", zitierte der LSVD aus dem Schreiben.
Der jamaikanische Reggae-Musiker und Sänger Sizzla Kalonji, der mit bürgerlichem Namen Miguel Orlando Collins heißt, und andere jamaikanische Musiker rufen in ihren Liedern zu Gewalttaten und Mord an schwulen Männern auf, wie der LSVD wiederholt kritisiert hatte. Der LSVD hatte im März vergangenen Jahres Anzeige gegen einzelne Sänger mit Konzertterminen in Deutschland bei den zuständigen Staatsanwaltschaften und Polizeipräsidien erstattet. Nach Angaben des Berliner Vereins GeFIS, der sich für junge homo- und bisexuelle Menschen einsetzt, wurde etwa der Sizzla-Tonträger "Rastafari" durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert.
epd-West fri kat