Mit Forderungen nach einem neuen Schulsystem, in dem alle Kinder, auch solche mit Behinderungen, gemeinsam lernen, hat das NRW-Bündnis "Eine Schule für alle" seine Aktivitäten auch in Essen gestartet. Die bisherigen Ansätze von schulischer Integration unterschieden zwischen integrationsfähigen und nicht integrationsfähigen Schülern, kritisierte die Bildungsjournalistin Brigitte Schumann am Mittwochabend in Essen. Die UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen, die zurzeit zur Ratifizierung durch die Bundesregierung und die Bundesländer anstehe, sehe dagegen den Zugang aller behinderten Menschen zum allgemeinen Bildungssystem mit notwendiger Unterstützung vor. Das derzeitige Schulsystem in NRW mit Gymnasium, Grund-, Haupt- und Realschule sowie sieben verschiedenen Förderschultypen führe dagegen zu einer sozialen Selektion, sagte Schumann. Um das in der UN-Konvention geforderte Ziel der Inklusion aller Kinder zu erreichen, müssten alle Schulen sich verändern und allen Kindern offen stehen.
Elisabeth Keim vom GEW-Stadtverband Essen trat für Schulen ein, die alle Kinder im Viertel aufnehmen und dann auch die dazu notwendigen Ressourcen an Lehrer- und Sonderpädagogenstunden bekommen, ohne aufwendige Begutachtungsverfahren für die Kinder. Wie positiv die Auswirkungen gemeinsamen Lernens für behinderte wie für nicht behinderte Kinder seien, zeige der Gemeinsame Unterricht, der aber trotz großer Nachfrage seit Jahrzehnten nicht weiter ausgebaut worden sei.
Brigitte Schumann bezeichnete den Gemeinsamen Unterricht als "gefesselten Riesen", der von der Landesregierung "auf ganz kleiner Flamme gekocht" werde. In Deutschland würden 85 Prozent der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Sonderschulen unterrichtet, nur 15 Prozent an Regelschulen. EU-weit besuchten dagegen 79 Prozent der Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf allgemeine Schulen.
Der Abend war Auftakt einer Veranstaltungsreihe "Welche Schule brauchen unsere Kinder?", die im November mit einer Diskussion über Perspektiven der Gesamtschule auf dem Weg zu einer Schule für alle fortgesetzt wird. Im Februar und März stehen die Themen Menschenrecht auf Bildung sowie eine Fachtagung für eine Schule der Zukunft im Ruhrgebiet auf dem Programm. Am Bündnis "Eine Schule für alle" sind unter anderem die Lehrergewerkschaft GEW, die Landeschülervertretung, der Kinderschutzbund und die Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben - gemeinsam lernen beteiligt.
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