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  Elternzeit ist kein Ding der Unmöglichkeit für kirchliche Mitarbeiter

Waldkirch/Freiburg (epd). Sie sind wieder im Dienst. Wibke Klomp, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde im Waldkircher Stadtteil Kollnau, und ihr Mann Carsten Klomp, badischer Landeskantor in Freiburg, sind aus einer zweimonatigen gemeinsamen Elternzeit zurück. Das Frühstück mit Sohn Christoph (3) und Tochter Paula (1) ist von der typischen Lebendigkeit, die Familien mit Kleinkindern auszeichnet. Wibke Klomp bringt ihren Sohn kurz in den Kindergarten, ein paar Augenblicke nach ihrer Rückkehr wird es ruhiger, als die kleine Paula im Kinderwagen einschläft.

Zwei Monate war das Ehepaar gemeinsam in Elternzeit. Sie hatten zuvor schon phasenweise ihre Arbeitszeit reduziert. Die Erfahrung ist allerdings eindeutig: Nur eine zeitweilige komplette Abwesenheit bringt die gewünschte Entlastung. "Als ich meine Arbeitszeit auf 60 Prozent reduziert hatte, gab es dennoch 60-Stunden-Arbeitswochen. Das kann nicht Sinn der Sache sein", sagt Carsten Klomp.

Also haben sich die beiden für zwei Monate komplett aus ihren beruflichen Aufgaben verabschiedet. "Die Vorbereitungen begannen ein Jahr vorher", sagt der Kantor. Beide hatten in allen Arbeitsbereichen Vertretungen vorbereitet. Für den Musiker sprang unter anderem seine Assistentin Karolin Pöche ein. Wibke Klomp organisierte für die Zeit ihrer Abwesenheit zum Beispiel im Gottesdienst eine Predigtreihe über die Jahreslosung mit Gastpredigern. "Viele haben uns begeistert davon erzählt, wie herzlich sie aufgenommen wurden", sagt die Pfarrerin über die helfenden Kollegen. "Es muss auch mal möglich sein, dass es ohne mich geht", meint Carsten Klomp über seine Abwesenheit von der beruflichen Arbeit. Das sei, fügt er hinzu, eine "Übung in Demut".

Um wirklich deutlich zu machen, dass sie eine Auszeit nehmen und nicht verfügbar sind, holten die Klomps aufgeschobene Reisen nach. Sie waren mit dem Schiff im Mittelmeer zu historischen Stätten unterwegs und zeigten ihren Kindern die britische Hauptstadt. London sei "wirklich der Höhepunkt" gewesen, vor allem für Sohn Christoph, der begeistert Doppeldeckerbus und U-Bahn fuhr. Nicht nur das: Immer wieder habe sich der Junge gewünscht, in ein weiteres Museum zu gehen. Wibke Klomp schwärmt, die Londoner Museen machten eine Menge für die kleinen Gäste. Besuche beim Kölner Karneval, den man einfach mal gesehen haben müsse, in Hamburg und einem Erholungspark komplettierten die Erlebnisse.

Die Kinder hätten "ganz eindeutig" profitiert, sind sich die Klomps einig. Es gebe keine "Präferenzen" mehr - beide Eltern seien für sie gleich wichtig. Gemeinsame Mahlzeiten, die im beruflichen Alltag häufig zu kurz kommen, konnten häufiger stattfinden. Für Carsten Klomp ist eine weitere Konsequenz klar: Er werde den ihm zustehenden Urlaub in Zukunft nehmen und nicht mehr ausfallen lassen.

Wibke und Carsten Klomp bezogen in den zwei Monaten 68 Prozent ihres Nettolohns vom Staat als Elterngeld. Musikprofessor Klomp betont, die staatliche Förderung sei eine "tolle Sache" - er habe kein schlechtes Gewissen, erstmals überhaupt staatliche Transferleistungen bekommen zu haben. Schließlich, fügt der Musiker hinzu, sei ja auch die Erziehung der Kinder eine Leistung für die Gesellschaft.

Tamara Metzger ist die zuständige Sachgebietsleiterin im Karlsruher Oberkirchenrat (EOK) der Evangelischen Landeskirche in Baden. Nach ihren Angaben beschäftigt der EOK rund 2.000 Mitarbeiter, jeweils die Hälfte im öffentlich-rechtlichen und im Angestelltenverhältnis. Im Jahr 2007 nahmen 54 Eltern, im Jahr 2008 dann 67 und im vorigen Jahr 79 Mütter oder Väter Elternzeit.

Der EOK ist seit 2008 von der Hertiestiftung als familienfreundliches Unternehmen zertifiziert und muss nach Metzgers Angaben jährlich die dazu notwendigen Berichte abgeben. Daran, dass es einen Anspruch auf Elternzeit gibt, lässt Tamara Metzger keinen Zweifel. Im Gespräch mit Schuldirektoren, die für Ersatz-Religionslehrer sorgen müssten, gebe es "das eine oder andere Mal Beratungsbedarf", so die Sachgebietsleiterin.

Von Frank Berno Timm (epd)(0927/02.05.2010)





 
 

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