Jetzt nisten sie wieder: Turmfalken, Schleiereulen und Störche. Elegant kreisen die Turmfalken mit einem hellen "kikikiki" um die Kirchtürme, einem ihrer bevorzugten Brutplätze. Auch Fledermäuse fühlen sich im Glockenturm wohl und freuen sich über das dortige "Kirchenasyl".
Doch nicht überall sind die Tiere gern gesehene Gäste. Viele Kirchengemeinden fürchten die Verschmutzung, besonders wenn sich Tauben im Turm niederlassen. Daher wurden in den letzten Jahren bei Renovierungen die Öffnungen und damit die Einfluglöcher und Brutnischen in den Türmen verschlossen.
Verständnis für die kirchlichen Untermieter will jetzt die gemeinsame Aktion "Lebensraum Kirchturm" vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem bundesweiten Beratungsausschuss für das deutsche Glockenwesen wecken. Sie soll am Mittwoch in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Rund 55.000 Glockentürme gibt es bundesweit bei evangelischen und katholischen Kirchen. Dort lasse sich ganz aktiv etwas für den Umwelt- und Naturschutz tun, erklärt der NABU. Die Verantwortlichen betonen, neben dem Turmfalken, dem Vogel des Jahres 2007, könnten auch andere bedrohte Tierarten wie Schleiereulen und Fledermäuse in Kirchtürmen nisten. Türme ersetzten den natürlichen Nistplatz für die ursprünglich felsen- und höhlenbrütenden Tiere.
Die württembergische Landeskirche empfiehlt ihren Gemeinden, generell vor Bau- oder Sanierungsmaßnahmen auch das landeskirchliche Umweltbüro zu konsultieren, damit Turmfalke, Fledermaus und Schleiereule "auch in Zukunft weiterhin treue Kirchgänger bleiben können". Das Bauamt der badischen Landeskirche verzeichnet eine große Nachfrage für Nistkästen bei Kirchenrenovierungen. "Wir haben viele Nistkästen etwa für Schleiereulen gesetzt, in denen auch gebrütet wird", erzählt Architekt Harald Dunke.
Im Turm der evangelischen Heidelberger Heiliggeistkirche ist sogar eine Kamera installiert. Seit einigen Jahren brüten dort Wanderfalken in 50 Meter Höhe über der Heidelberger Innenstadt. Im Internet unter http://www.ag-wanderfalken.de/ können Interessierte mittels einer Live-Kamera einen Blick auf "Aurora" und "Phönix" und ihr Nest werfen. Die ersten Jungvögel sollen am 21. April schlüpfen. Nur extrem selten eignet sich der Kirchturm nicht als Brutstätte. So wollte beispielsweise ein Storchenpaar auf dem Dach der katholischen Kirche im südbadischen March-Buchheim residieren. Das Nest musste jedoch auf das nächstliegende Rathausdach umgesiedelt werden.
Was auf den ersten Blick für Störche und Anwohner völlig unverständlich war, ließ sich nicht vermeiden: Das Pärchen hatte sich als Brutstätte ausgerechnet den Wasserspeier ausgesucht, der den gesamten Wasserabfluss vom Dach regelt. Dies sei eine der wenigen Stellen auf denen tatsächlich kein Storch nisten könne, erläutert der Glockensachverständige des Erzbistums Freiburg, Kurt Kramer.
Weitere Informationen gibt es im Internet unter http://www.nabu.de/, http://www.glocken-online.eu/, http://www.ag-wanderfalken.de/. (0940/10.04.2007)