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  Kaum ausländerfeindliche Töne in Melilla
Die Bewohner der spanischen Nordafrika-Exlave haben Verständnis für die Armutsflüchtlinge


Hans-Günter Kellner


Selbst gebaute Leitern mit denen afrikanische Flüchtling die Grenzzäune der spanischen Exklave Melilla in Nordafrika überwunden haben.
©epd-bild / Hans-Günter Kellner
Melilla (epd). Sie rennen nachts in blutiger Kleidung durch Melilla, irren umher auf der Suche nach der Polizeiwache - und tagsüber weisen sie in der Hoffnung auf Trinkgeld Autos in Parklücken ein. Die Schwarzafrikaner sind in Melilla nicht zu übersehen: Knapp 1.700 leben im Aufnahmelager der spanischen Exklave in Nordafrika. Ausländerfeindliche Töne sind dennoch kaum zu hören.

"Das sind einfach sehr höfliche Leute", sagt in der Innenstadt ein spanischer Geschäftsmann. Gerade hat er sich mit seinem sperrigen Geländewagen von George aus Ghana in eine Parklücke winken lassen. Die Flüchtlinge machten überhaupt keine Probleme, sagt der Spanier und gibt George einen Euro. Er könnte wohl auch die Fenster seines Wagens geöffnet lassen, denn der Mann aus Ghana fühlt sich für die Autos verantwortlich, die er einweist.

Gut 20 Euro verdiene er damit am Tag, erzählt der 25-Jährige. Nein, Rassismus habe er keinen erlebt. "Ich bin ja auch kein schlechter Mensch." George will seinen Nachnamen nicht nennen und auch nicht fotografiert werden. Seit Spanien die ersten 73 Menschen aus dem Aufnahmelager nach Marokko abgeschoben hat, hat auch er vor der Ausweisung Angst.

Die Abschiebungen haben in Melilla große Empörung ausgelöst. "Wir haben diese Leute jetzt ein paar Tage aufgenommen, ihre Wunden behandelt, und jetzt schicken wir sie wieder in die Hölle zurück. Das ist doch nicht normal", sagt ein Mann in einem Café vor der Polizeiwache von Melilla. "Wenn sie ausgewiesen werden müssen, dann nur in ihre Länder", fordert er. Genau das ist jedoch nicht möglich, da die Herkunftsländer keine Rücknahmeabkommen mit Spanien abschließen möchten.

Im Aufnahmelager machen sich unterdessen Angst und Frustration breit. Die Schwarzafrikaner waren noch vor wenigen Tagen überzeugt, sie seien sicher in Europa angekommen. Nun befürchten sie, alles wäre umsonst - jahrelange Fußmärsche durch halb Afrika für nichts. Fragend blicken sie die Journalisten durch die Absperrungen des Lagers an. Nur von ihnen und den Hilfsorganisationen erfahren sie, was draußen passiert. Die spanische Verwaltung erklärt ihnen nichts.

Am Abend ruft der Muezzin einer Moschee in der Nähe des Aufnahmelagers zum Gebet, einige Schwarzafrikaner folgen ihm. In Melilla leben 45 Prozent Muslime. Sie organisieren in der Moschee das Fastenbrechen für die muslimischen Armutsflüchtlinge im Lager. Unterdessen nähern sich zwei Rentnerinnen der Absperrung zu den Zelten. Sie wissen, auch ihr Lösungsvorschlag klingt utopisch, aber einen anderen sehen sich nicht: "Jeder der Hunger hat, muss auch zu essen bekommen. Dafür ist unsere Erste Welt verantwortlich", sagt eine der beiden. Und ihre Freundin meint: "Das ist keine Invasion. Sie kommen ohne Waffen. Sie haben nur Hunger."





 
 

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