Hamburg (epd). Eine freundliche Dame, auf deren Brust Seelsorgerin zu lesen ist, empfängt die Gäste mit einem Lächeln und weist ihnen den Weg. Türkische Folklore schallt durch die Gänge, die Zuhörer klatschen im Takt. »Ganz andere Klänge in diesem Haus«, sagt Andrea Stein und lacht. Die Heimleiterin freut sich über die vielen Gäste zur Eröffnung der ersten Wohngruppe für Türken. Der erste und bisher einzige Bewohner, der 86-jährige Sabri Uludere, sitzt mitten im Trubel und lässt sich bereitwillig mit wechselnden Lokalpolitikern fotografieren. Betreuerin Ayse Boyraz ist immer an seiner Seite. Sie sprechen türkisch miteinander.
14 Plätze, reserviert für türkische Senioren, bietet das Diakoniewerk Tabea in seinem neuen Pflegeheim in Hamburg-Lurup. Hier wird türkisch gekocht, Pfleger und Betreuer sprechen türkisch. Wer will, kann beim Kochen helfen, türkische Sender hören und sehen oder den Gebetsraum nutzen.
Die eigene Kultur leben und gleichzeitig eingegliedert sein
»Es geht um eine besondere Form der Integration, bei der jeder die Möglichkeit hat, die eigene Kultur und Religion zu leben, und gleichzeitig eingegliedert ist«, sagt Emanuel Brandt, Vorsitzender des Diakoniewerks Tabea. Das ganze Haus ist in sechs Wohngruppen aufgeteilt, fünf vorwiegend deutsche und eben eine türkische. Zentrale Räume wie einen großen Speisesaal und eine Zentralküche gibt es nicht mehr. Gekocht und gegessen wird in den Wohnküchen der jeweiligen Gruppen. So werde der Lebensraum für die Bewohner überschaubarer und vermittle Sicherheit, Geborgenheit und Normalität, erklären die Betreiber. Den alten Menschen soll ihr neues Zuhause einen möglichst persönlichen Rahmen bieten. Aus diesem Wunsch heraus entstand auch die Idee für die türkische Wohngruppe.
Das ehrenamtliche Engagement des türkischen Ehepaars Celik hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Idee Realität wurde. Sie knüpften Kontakte, halfen bei der Planung und stifteten sogar Teile der Ausstattung. »Sechs Monate nachdem wir das erste Mal Kontakt hatten, eröffnen wir heute diese Wohngruppe. Das war eine schöne und sehr persönliche Zusammenarbeit", sagt Heimleiterin Andrea Stein. Die Celiks kamen 1962 nach Hamburg, sie wollen nicht zurück in die Türkei. Schon viele Jahre hätten sie sich Gedanken gemacht über ein Altenheim für Migranten. "Vielleicht komme ich selbst in ein paar Jahren hierher«, sagt der 73-jährige Saim Celik.
In Hamburg leben rund 6.000 Türken über 65 Jahre und zahlreiche eingebürgerte Deutsche türkischer Herkunft. Viele von ihnen gehören zur ersten Generation türkischer Gastarbeiter in Deutschland. Jetzt suchen sie einen geeigneten Rahmen, um hier alt zu werden. Da sich die Strukturen und Traditionen in den türkischen Familien wandeln, können nicht alle Alten und Pflegebedürftige noch von ihren Familienangehörigen betreut werden.
Sabri Uludere ist allein seit dem Tod seiner Frau. Er hat keine Kinder. 1961 kam er nach Deutschland und arbeitete als Schlosser. Jetzt ist er aus einem anderen Altenheim als erster Bewohner in die türkische Wohngruppe gekommen, genießt das türkische Essen und die Aufmerksamkeit, die ihm als Pionier geschenkt wird. (...)
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