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  Die Entscheidung ist gefallen
Zentralstelle zur Vermittlung behinderter Akademiker soll schließen


Von Stefan Matysak

Bonn/Berlin (epd). Joachim Goll* hat Glück gehabt. Nach seinem Geologiestudium wurde der Schwerbehinderte zwar wie befürchtet arbeitslos. Doch seine Bewerbungsunterlagen gab er an die Vermittlungsstelle für schwerbehinderte Akademiker bei der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV). Heute hat er eine wissenschaftliche Stelle im öffentlichen Dienst. Goll ist sicher: "Ohne die Zentralstelle hätte das nicht geklappt."

Die ZAV, eine Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit, kümmert sich um Arbeitslose, bei denen wegen ihrer besonderen Berufsqualifikation nur eine bundesweite oder gar eine internationale Vermittlung sinnvoll ist. 214 schwerbehinderte Fach- und Führungskräfte erhielten auf diese Weise im Jahr 2005 eine Arbeitsstelle. Doch damit soll nun Schluss sein.

"Ab Anfang Mai bekommt die ZAV eine neue Struktur", sagte ZAV-Sprecherin Sabine Seidler dem epd. Seit Jahresbeginn ist die Vermittlung schwerbehinderter Akademiker bereits eingestellt. Die bisherigen Aufgaben sollen auf viele dezentrale Vermittler "in die Fläche vergeben" werden, so Seidler. Bei der ZAV verbleibe nur noch eine Person, die weiter Kontaktpflege betreiben werde und koordinierende Aufgaben habe. Die geplante Streichung sorgt für große Kritik bei Behindertenvertretern. "Das ist eine Katastrophe", erklärte der Vorsitzende des Deutschen Behindertenrates, Horst Frehe. Viele behinderte Akademiker würden der Vermittlungsstelle ihren Job verdanken. Diese Behinderten seien auf eine spezialisierte bundesweite Vermittlungsstelle angewiesen.

Als "typisches Eigentor" bezeichnete der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), Hans-Peter Terno, die Entscheidung der Bundesagentur für Arbeit. Ein Arbeitgeber, der eine Position für einen akademischen Beruf ausschreibe, wolle weder mit verschiedenen örtlichen Agenturen verhandeln noch an unterschiedlichen Stellen nach geeigneten Kandidaten suchen müssen.

Die Aufgabenstellung der Zentralstelle sei so speziell, dass eine Übernahme der Aufgaben in den Regionen gar nicht möglich sei, sagt auch ein Sprecher der Behindertenbeauftragten der Bundesregierung Karin Evers-Meyer. Die Bundesagentur für Arbeit verteidigt die Streichung der Vermittlungsstelle dagegen als sinnvoll. "Das ist natürlich eine Verbesserung", erklärte ein Sprecher der BA. Die Dezentralisierung der Aufgabe ermögliche es, den Service "näher an die Menschen zu bringen". Unterstützung hatten die Behindertenverbände zunächst bei sämtlichen behindertenpolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen gefunden. Die Kompetenz der ZAV dürfe nicht verloren gehen, sagte etwa der behindertenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Jörg Rohde. Der CDU-Abgeordnete Hubert Hüppe bezeichnete die Schließung als "äußerst tragisch".

Die Behindertenbeauftragte Evers-Meyer hatte vor einem Treffen mit BA-Vorstand Heinrich Alt am 17. Januar noch überlegt, über den Verwaltungsrat der BA die Streichung zu verhindern. Doch nach dem Treffen mit Alt ist der Glaube, die Stellestreichung noch verhindern zu können, geschwunden. Die Chancen werden "nur noch gering" eingeschätzt, so ein Sprecher der Behindertenbeauftragten.

Die Zeit wird jedoch knapp. Ende der ersten Februarwoche wird der BA-Verwaltungsrat über die Schließung der Vermittlungsstelle informiert werden. Gibt es hier keinen Widerspruch, ist die Reform durch. Die BA bestätigte gegenüber dem epd: "Die Entscheidung ist gefallen." Die Behindertenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Silvia Schmidt, kündigte an, den zuständigen Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) zum Eingreifen bewegen zu wollen: "Mit Sicherheit wird es Druck auf das Ministerium geben."

Der behindertenpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Markus Kurth, sieht dagegen keinen Anlass für Proteste mehr. "Der Zug ist abgefahren". Die Bundesagentur habe versprochen, einen identischen Service in der Fläche aufzubauen. Er werde jetzt darauf dringen, dass diese Versprechungen eingehalten werden.

Die Betroffenen bleiben skeptisch. "Ich traue den Arbeitsämtern keine ausreichende Kompetenz zu", sagte der Geologe Goll. "Wäre ich lediglich vom Arbeitsamt betreut worden, hätte kaum ein Arbeitgeber erfahren, dass es mich gibt."  * Name geändert








 
 

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