Wiesbaden/Berlin (epd). Die Zahl der Sozialhilfeempfänger in Deutschland ist erneut leicht gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt am 19. August in Wiesbaden mitteilte, erhielten Ende vergangenen Jahres rund 2,91 Millionen Menschen in 1,46 Millionen Haushalten laufende Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen wie Krankenhäusern und Heimen. Das waren 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund acht Prozent der Kinder unter 15 waren von staatlicher Unterstützung abhängig.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisierte, die Statistik sage nichts über die "dramatische Zunahme der Armut" aus. Die tatsächliche Situation habe sich seit In-Kraft-Treten des Hartz-IV-Gesetzes mit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe am 1. Januar "massiv verschlechtert", erklärte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider in Berlin. Die Zahl der auf Sozialhilfeniveau lebenden Menschen habe sich mehr als verdoppelt. Vor allem die Kinderarmut sei Besorgnis erregend gestiegen.
Die Ausgaben für Sozialhilfe beliefen sich nach Angaben des Bundesamtes im vergangenen Jahr auf insgesamt 9,95 Milliarden Euro, 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Sozialhilfequote - der Anteil der Hilfebezieher an der jeweiligen Bevölkerung - erhöhte sich leicht auf 3,5 Prozent. Frauen bekamen mit 3,8 Prozent häufiger Sozialhilfe als Männer (3,3).
Ausländer haben mit 8,7 Prozent eine deutlich höhere Sozialhilfequote als Deutsche (3,0). Im Jahr 2003 hatten 2,82 Millionen Menschen Sozialhilfe erhalten, 2002 waren es 2,76 Millionen. Die Sozialhilfe soll den Grundbedarf vor allem an Nahrung, Kleidung, Unterkunft und Heizung decken.
Im früheren Bundesgebiet lebten Ende 2004 rund 2,2 Millionen Sozialhilfeempfänger, 445.000 waren es in den neuen Ländern (ohne Berlin). Im Osten Deutschlands stieg die Empfängerzahl um 4,4 Prozent und damit deutlich stärker als im Westen. Dort wurde ein Zuwachs von 3,0 Prozent verzeichnet. Erstmals liegt die Sozialhilfequote im Osten damit genauso hoch wie im Westen (3,3 Prozent).
Die höchsten Sozialhilfequoten gab es Ende 2004 wie in den Vorjahren in den drei Stadtstaaten Bremen (9,0 Prozent), Berlin (8,0) und Hamburg (7,1). Unter den Flächenländern wiesen das Saarland (4,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (4,1) die höchsten Quoten auf. Die niedrigsten Sozialhilfequoten verzeichneten Bayern (1,9), Baden-Württemberg (2,2) sowie Rheinland-Pfalz und Thüringen (jeweils 2,5).
Die Zahl der sozialhilfebedürftigen Kinder unter 15 stieg Ende 2004 auf rund 965.000 an, im Vergleich zum Vorjahr waren dies 3,2 Prozent mehr. Die Sozialhilfequote der Kinder in dieser Altersgruppe erhöhte sich auf 8,1 Prozent (Vorjahr: 7,7). Dagegen sank die Zahl der älteren Sozialhilfebezieher ab 65 Jahren gegenüber dem Vorjahr um 20.000 auf rund 78.000 Personen. Die Sozialhilfequote der älteren Menschen verringerte sich auf 0,5 Prozent (Vorjahr: 0,7). Ausschlaggebend dafür war das zum 1. Januar 2003 in Kraft getretene "Gesetz über eine bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung", das eine eigenständige Leistung darstellt.
Was steht sonst noch im Heft epd sozial 34/2005?