"Qualität der MDK-Berichte unzureichend"
Neue Studie spricht Medizinischen Dienst der Kassen Urteilsfähigkeit ab


Von Eva Richter

Frankfurt a.M. (epd). Zu subjektiv, zu sehr an Defiziten orientiert und pflegewissenschaftlich unzureichend: Die Qualitätsprüfungen und -berichte der Medizinischen Dienste (MDK) kommen in einem aktuellen Gutachten der iap-expert GmbH (Bremen) nicht gut weg.

Auftraggeber war die Hamburgische Pflegegesellschaft. Fazit der Gutachter um den Bremer Pflegewissenschaftler Stefan Görres: Der Prüfkatalog des MDK muss sich mehr an pflegerelevanten "Outcomes" wie zum Beispiel der Lebensqualität von Pflegebedürftigen orientieren. Auch müsse die Qualifikation der Gutachter verbessert werden.

Ein Grund für die Auftragsvergabe war die im Zuge der Pflegereform geplante Veröffentlichung der MDK-Prüfberichte über Pflegeeinrichtungen. Die sollen Pflegebedürftigen als Orientierungshilfe dienen, um einen guten Pflegeplatz zu finden. Sie sind daher für die Pflegeeinrichtungen enorm wichtig. Doch genau diese Orientierungshilfe werde durch die MDK-Berichte bislang nicht gewährleistet, fürchtet die Hamburgische Pflegegesellschaft. Die Ergebnisqualität in den Einrichtungen werde nicht ausreichend abgebildet.

"Die meisten Prüfinstrumente orientieren sich an klinisch-medizinischen Parametern, die nur eingeschränkt zielgruppenadäquat sind", heißt es in dem Gutachten, das epd sozial vorliegt. "Gute Pflege" sei zwar wichtig, aber nicht definiert und evaluiert, so die Wissenschaftler. Interpersonale Aspekte fehlten weitgehend. "Dies betrifft insbesondere die Feststellung der Zufriedenheit der Pflegebedürftigen und Aussagen zu deren Lebensqualität." Auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter in den Einrichtungen werde nicht ausreichend miteinbezogen, obwohl sie die Qualität der Pflege ebenfalls beeinflusse.

Die Wissenschaftler fordern daher "methodisch gut entwickelte Qualitätsindikatoren, die eine Unterscheidung zwischen guter und schlechter Qualität ermöglichen". Dazu müsse ein allgemein anerkannter nationaler Standard zur Strukturierung von Qualitätsberichten festgelegt werden.

Leider gebe es bislang keine entsprechende Institution dafür, kritisieren die Gutachter - und greifen damit die langjährige Forderung der Bundeskonferenz zur Qualitätssicherung im Gesundheits- und Pflegewesen e.V. (BUKO) nach einem Zentrum für Qualität in der Pflege und Betreuung auf.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) und der Verband privater Pflegeanbieter (bpa), die zusammen zwei Drittel aller Pflegeeinrichtungen in Deutschland vertreten, fühlen sich durch das Gutachten in ihrer Kritik an den MDK-Prüfberichten bestätigt. Es dürfe nicht länger allein dem Medizinischen Dienst überlassen bleiben, Prüfverfahren zu entwickeln, sagte Klaus-Peter Stenzig von der BAGFW. MDK-Berichte könnten nicht darüber entscheiden, ob ein Heim oder ein Pflegedienst als gut oder schlecht klassifiziert werde.

epd sozial Nr. 8 vom 22. Februar 2008









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