Im idyllischen Moseltal zwischen Bernkastel und Traben-Trarbach ist neuer Streit ausgebrochen. Es geht um den Bau einer gigantischen, 158 Meter hohen Brücke, unter die sogar der Kölner Dom passen würde. Der sogenannte Hochmoselübergang, mit dessen Bau bereits begonnen wurde, hatte eine lange Vorlaufzeit. Seit mehr als 40 Jahren gibt es in Rheinland-Pfalz Pläne für das Bauwerk. Alle Klagen gegen die rund 1,7 Kilometer lange Brücke zwischen den Weindörfern Ürzig und Rachtig scheiterten vor Gericht. Die regionalen Proteste gegen die Landschaftszerstörung erhielten in dieser Woche Unterstützung aus Berlin: Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und renommierte Weinkritiker sehen die Moselweine in Gefahr.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hielt dagegen. Nicht das bis zu 330 Millionen Euro teure Bauprojekt füge dem Riesling Schaden zu, sondern der Weinkenner-Protest. "Es wird so getan, als würden wir die ganze Mosel überdachen." Natürlich werde auf die Landschaft Rücksicht genommen, versichert Beck. Überhaupt kämen die Proteste viel zu spät.
Das sieht Heide Weidemann anders. Die stellvertretende Landesvorsitzende des BUND Rheinland-Pfalz wehrt sich seit Jahren gegen den Bau. "Es ist noch nicht zu spät", beteuert sie. Das Moseltal sei eine der schönsten Regionen Deutschlands mit hervorragenden Weinen, heißt es beim BUND, der eine unwiederbringliche Zerstörung dieser Kulturlandschaft befürchtet.
Nach den Worten der grünen Bundestagsabgeordneten Ulrike Hoefken aus Bitburg kämpfen Menschen seit Jahrzehnten gegen das "ökologisch verheerende, ökonomisch unsinnige und obendrein hässliche" Projekt. Der Bau des Hochmoselübergangs, der 2016 fertiggestellt sein soll, sei von der Landesregierung an den Haushaltsvereinbarungen vorbei mit dem Versprechen einer privaten Finanzierung durchgedrückt worden. Diese sei jedoch - mangels interessierter Investoren - nie zustande gekommen. Stattdessen müssten jetzt die Steuerzahler für die Zerstörung des Kulturerbes zahlen.
"Wir wehren uns dagegen, dass die Mainzer Landesregierung auf unsere Kosten und auf Kosten der Umwelt diese Pläne aus den 60er Jahren umsetzt", sagt Jutta Blatzheim-Roegler, Vorstandsmitglied der AG Eifel-Mosel-Hunsrück in Bewegung und Sprecherin der bündnisgrünen Landesarbeitsgemeinschaft Verkehr. "Bisher wurden wir von der Politik in Mainz konsequent ignoriert, das ist jetzt nicht mehr möglich", erklärt die Grünen-Stadträtin von Bernkastel-Kues. Seit Januar demonstrieren jeden Sonntag bis zu hundert Menschen in einem der Dörfer rund um die geplante Brücke.
In Berlin sammelt Ulrike Hoefken derweil Unterschriften für eine Petition an den Deutschen Bundestag, um das Projekt doch noch zu Fall zu bringen. Nach ihren Vermutungen wird der nahende rheinland-pfälzische Landtagswahlkampf nochmals Bewegung in die Diskussion bringen.
Die SPD-geführte Landesregierung trotz wachsender Proteste weiterhin zu dem Projekt. Die Menschen an der Mosel seien zu einem ganz überwiegenden Teil für die Brücke, sagt Ministerpräsident Beck. Für die Landesregierung sei der Hochmoselübergang ein "Straßenbauprojekt von europäischer Bedeutung", das die belgischen und niederländischen Nordseehäfen und Ballungsräume mit dem Rhein-Main-Gebiet verbinde. Die bessere Erreichbarkeit bringe auch Arbeitsplätze in der Region mit sich. Für Weinbau- und Verkehrsminister Hendrik Hering (SPD) geht es auch darum, junge Menschen in den ländlichen Räumen zu halten.