Das rheinland-pfälzische Partnerland Ruanda könnte bis 2014 über eine Eisenbahntrasse mit den Häfen am Indischen Ozean verbunden werden. Der Bau der 700 Kilometer langen Strecke vom tansanischen Isaka in die ruandische Hauptstadt Kigali mit einer Stichlinie in das Nachbarland Burundi würde etwa drei Milliarden Euro kosten, sagte Emile Muvunyi, Afrika-Direktor der Bahn-Tochter "DB International", am Mittwoch dem epd in Mainz. Das Unternehmen hatte gemeinsam mit dem Mainzer Schienengüterverkehrs-Unternehmen Railion eine von der Afrikanischen Entwicklungsbank finanzierte Machbarkeitsstudie erstellt.Deren Ergebnisse sollen nach Angaben Muvunyis in Kürze auf einer Geldgeber-Konferenz am Sitz der Afrikanischen Entwicklungsbank in Tunis vorgestellt werden. Die von den Deutschen konzipierte eingleisige Strecke sei sowohl für Güterverkehr als auch für den Personenverkehr geeignet. Güterzüge könnten sie mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern befahren. Aufgrund des hügeligen und gebirgigen Reliefs müsse eine Vielzahl von Tunnels und Brücken gebaut werden.
Wegen seiner großen potenziellen Bedeutung für den Erztransport sei das Milliardenprojekt dennoch wirtschaftlich sehr vielversprechend. Für die Detailplanung würden die Bahnexperten weitere zwölf Monate veranschlagen, nachdem die weitere Finanzierung geregelt sei. 2010 könnten die Aufträge ausgeschrieben werden.
Bislang wird die wirtschaftliche Entwicklung des ostafrikanischen Binnenstaates durch die fehlende Verkehrsinfrastruktur stark behindert. Erste Pläne für eine Eisenbahnstrecke nach Ruanda gab es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Region für kurze Zeit deutsche Kolonie war. Das Projekt konnte nach Beginn des Ersten Weltkriegs nicht mehr umgesetzt werden. Bis heute gibt es in Ruanda und dem Nachbarland Burundi keine Eisenbahn. Die hundert Jahre später projektierte Strecke habe jedoch nichts mehr mit der Konzeption aus der Kaiserzeit zu tun, sagte Muvunyi.
Ruanda und Rheinland-Pfalz sind seit 26 Jahren durch eine bundesweit einmalige offizielle Partnerschaft miteinander verbunden. Mehrere hundert Privatinitiativen, Gemeinden und Schulen unterstützen teilweise seit mehr als zwei Jahrzehnten Partnerorganisationen in Ruanda. Das Land Rheinland-Pfalz beteiligt sich an der Finanzierung der Entwicklungsprojekte und will sich künftig auch stärker beim Aufbau von Wirtschaftskontakten engagieren. An dem Eisenbahn-Projekt wird sich die Partnerschaft wegen des enormen Finanzbedarfs nicht beteiligen.