Die evangelische Kirche sollte sich nach Auffassung des Direktors der Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen, Dieter Sonnentag, verstärkt ihrer Verantwortung für die ländlichen Räume in Europa stellen. Vor allem in osteuropäischen Ländern fühlten sich Menschen in ländlichen Regionen durch die Entscheidungen der EU verunsichert, sagte Sonnentag am Donnerstag in Altenkirchen in einem epd-Gespräch.
Sonnentag regte an, in Ländern wie Litauen, Lettland, Rumänien und der Slowakei qualifizierte Beratungsarbeit für die Landbevölkerung anzubieten. Nötig seien Bildungs- und Seminararbeit sowie Sorgentelefone für bäuerliche Familien. Es gehe nicht darum, neue Seminarhäuser zu bauen, sondern ein Erfolgsmodell zu exportieren, sagte der Leiter der Landjugendakademie, die am Sonntag, 19. Oktober, ihr 50-jähiges Bestehen feiert. Die einzige Landjugendakademie der Evangelischen Kirche in Deutschland sei mit Fortbildung für Menschen auf dem Land bundesweit erfolgreich. „Wir sind Lobbyisten des ländlichen Raums“, sagte Sonnentag.
Bei der Gründung der Akademie vor 50 Jahren sei es noch darum gegangen, bestehende Defizite der Landjugend auszugleichen, stellte sagte der Pädagoge und Bildungsmanager. Heute müssten Jugendliche hingegen bei ihrer Entscheidung für das Landleben mit Bildungsmaßnahmen unterstützt und ihnen der selbst gewählte Lebensweg ermöglicht werden. Immer noch müssten viele unrentabel gewordene Höfe verlassen.
„Wir wollen nicht, dass sich die ländlichen Regionen entleeren“, sagte Sonnentag. Von der Kirche wünsche er sich verlässliche Rahmenbedingungen für die Bildungsarbeit in einem überschaubaren Zeitraum. Die Akzeptanz der Akademie sei hoch, sagte Sonnentag. Die Teilnehmerzahlen an Bildungsmaßnahmen hätten innerhalb eines Jahres um knapp zehn Prozent gesteigert werden können. (16.10.08-02)