Die Thüringer Gesellschaft für Zeitgeschichte hat mit Unverständnis und Befremden auf die Besetzung des ehemaligen Stasi-Gefängnisses in Erfurt durch mehrere Mitglieder des Vereins "Freiheit" reagiert. Im Interesse der geplanten Gedenkstätte in der früheren Untersuchungshaftanstalt müsse die Aktion "unverzüglich" beendet werden, erklärte Vereinsvorsitzende Barbara Sengewald am 4. Januar in der Landeshauptstadt. Zugleich forderte sie den Verein zur "kooperativen Zusammenarbeit" auf.Mit der am 1. Januar begonnenen Besetzung wollen einstige Stasi-Häftlinge die Forderung des eingetragenen Vereins "Freiheit" nach mehr Mitsprache am Konzept der Einrichtung bekräftigen. Die Landesregierung gewähre den Ex-Gefangenen gegenwärtig "nicht einmal eine Mitverantwortung", hieß es in einer Erklärung. Dagegen betonte Sengewald, der angebotene Kooperationsvertrag werde von "Freiheit e.V." abgelehnt. Stattdessen bestehe der Verein "unnachgiebig bis heute" auf die alleinige Trägerschaft.
Die Landesregierung hatte im Juli eine "Thüringer Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur" gegründet, deren Stiftungszweck die Trägerschaft für die frühere Untersuchungshaft in der Erfurter Andreasstraße ist. Dort waren zwischen 1945 und 1989 schätzungsweise rund 5.000 politische Gefangene inhaftiert. An die Geschichte des Ortes erinnerten in den vergangenen Jahren unter anderem die wiederholten Ausstellungsprojekte "Einschluss". Die Gesellschaft für Zeitgeschichte und "Freiheit e.V." gehören zu den 14 Einrichtungen und Initiativen im "Thüringer Geschichtsverbund zur Aufarbeitung der SED-Diktatur". (0016/04.01.2010)