Um den rollenden "Zug der Erinnerung" mit einer Ausstellung über die Opfer der Deportationen in der NS-Zeit gibt es offenbar wieder Streit. Die Bahn sperre dem "Zug der Erinnerung" im ostbrandenburgischen Eisenhüttenstadt die Einfahrt auf Personengleise, teilten die Initiatoren am 1. Dezember in Cottbus mit, wo der Ausstellungszug derzeit Station macht. Zum "wiederholten Mal" werde der Ausstellung mit Fotos und letzten Zeugnissen deportierter Kinder die "Verladerampe in einer abgelegenen Industriebrache" als Ort der Ehrung zugewiesen. Dies sei eine "Verhöhnung der Ermordeten".
Ein Bahnsprecher wies dies auf Anfrage zurück. Dem "Zug der Erinnerung" sei eines der drei Gleise im Bahnhof der Stadt als Standort angeboten worden. Auch die notwendigen Arbeiten an dem dafür bestimmten Gleis 3 würde die Bahn übernehmen, so der Sprecher weiter. Die beiden anderen Gleise seien nötig, um den täglichen Personenzugverkehr zu gewährleisten. Zugleich betonte er, "wir haben kein Interesse an einer Eskalation" mit der Initiative.
Der Stadtverwaltung von Eisenhüttenstadt warf die Initiative "Zug der Erinnerung" mangelndes Interesse an einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema vor. Dabei verwies sie auf negative Reaktionen der Stadtoberen auf Anfragen der Initiative. Deshalb werde der "Zug der Erinnerung" keine Station in Eisenhüttenstadt machen, heißt es auf der Homepage der Initiative. Der Sprecher der Bahn AG zeigte sich überrascht von der Absage.
Aus Eisenhüttenstadt stammten laut "Zug der Erinnerung" Dutzende jüdischer Familien, die in den NS-Vernichtungslagern endeten. Die Region sei Umschlagplatz der ersten NS-Massendeportation im Jahr 1938 gewesen, bei der die SS über 17.000 polnische Juden über die Grenze trieb ("Polen-Aktion").
Der "Zug der Erinnerung" machte nach eigenen Angaben seit Ende 2007 auf über 100 Stationen Halt. Insgesamt 370.000 Besucher seien bisher auf die Bahnhöfe gekommen. Ziel der Fahrt ist die Gedenkstätte Auschwitz. In dem rollenden Museum mit drei Waggons wird das Schicksal der Kinder von Juden, Roma und Sinti und anderer Opfergruppen vor allem anhand von Fotos und Briefen nachgezeichnet. In Brandenburg sind als Stationen bislang Cottbus, Guben und Eisenhüttenstadt vorgesehen gewesen. (6355/01.12.2009)