Die Brandenburger Landesregierung rechnet offenbar nicht mit einem baldigen Totalverzicht der Bundeswehr auf das frühere "Bombodrom"-Gelände bei Wittstock. Es gelte sich langsam darauf einzustellen, dass die zivile Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide ein "neuer, langer Weg wird", sagte Regierungssprecher Thomas Braune am 4. September dem epd auf Anfrage. Entscheidend sei der Verzicht der Bundeswehr auf den Luft-Boden-Übungsplatz. Derzeit gebe es "überhaupt keinen Handlungsdruck", sagte Braune weiter. Wer in der Region investiert habe, den interessiere, "ob fünf Mal am Tag Tiefflieger über ihn hinwegdonnern oder eben nicht".Mit dem Mitte Juli von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) erklärten Verzicht auf Luft-Boden-Übungen wüssten die Menschen jetzt definitiv, dass die Investitionen nicht wertlos werden. Vieles werde jetzt "Stück für Stück gehen", so Braune weiter. Brandenburg werde sich einbringen, zugleich dürfe aber der Bund nicht aus der Verantwortung entlassen werden. "Jetzt sollten wir einen kühlen Kopf bewahren."
Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums hatte am Donnerstag gegenüber epd bestätigt, dass über die weitere Verwendung des Truppenübungsplatzes noch nicht entschieden sei. Auch gebe es gegenwärtig keinen Zeitplan für die Folgeaktivitäten, wie zum Beispiel das Beräumen des Geländes. Eine Nutzung durch das Heer des 142 Quadratkilometer großen Geländes in Nordbrandenburg als Übungsplatz hatten Vertreter der Bundeswehr erstmals im August ins Spiel gebracht, wenige Wochen nach dem erklärten Verzicht als Luft-Boden-Schießplatz.
Scharfe Kritik an der Haltung des Bundesverteidigungsministeriums äußerten am 4. September die Grünen und die Linken. Der Bund müsse "klipp und klar Rechtssicherheit für die zivile Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide schaffen", forderte die grüne Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm. Auch die Linkspartei forderte, "endgültig" auf die militärischen Ansprüche zu verzichten. Jetzt "sei die Katze aus dem Sack", erklärte die Fraktionsvorsitzende der Linken im Brandenburger Landtag, Kerstin Kaiser. Die für die Betroffenen so wichtige Rechts- und Planungssicherheit werde mit dieser Haltung verweigert. (4635/04.09.2009)