Rund 1.000 Menschen überwiegend muslimischen Glaubens haben nach Polizeiangaben am 17. Januar in Berlin gegen ein Kopftuchverbot im Öffentlichen Dienst demonstriert. Die Teilnehmer, darunter besonders viele Frauen, forderten "Gleichberechtigung für alle Religionen" und hielten Transparente mit Aufschriften wie "Mein Kopf gehört mir" und "Es gibt keinen Zwang im Glauben". Zu der Aktion hatte die Initiative Berliner Muslime aufgerufen. Die Veranstalter zählten insgesamt 5.000 Teilnehmer.
Der Verfassungsschutz hatte im Vorfeld in Berliner Moscheen eine massive Mobilisierung für die Aktion unter dem Motto "Religionsfreiheit für alle - gegen jede staatlich reglementierte Kleiderordnung" festgestellt. Die Demonstration werde von zahlreichen islamistischen Organisationen unterstützt, hieß es. Vor allem türkische Verbände hatten sich jedoch von dem Aufruf distanziert.
Während des Protestzuges, der bei strömenden Regen von zahlreichen Frauen mit Kopftüchern angeführt wurde, verlasen die Veranstalter eine Liste mit Namen von prominenten Gegnerinnen eines Kopftuchverbotes, darunter die beiden evangelischen Bischöfinnen von Hamburg und Lübeck, Maria Jepsen und Bärbel Wartenberg-Potter, die Schauspielerin Katja Riemann und Renan Demirkan und die Grünen-Politikerinnen Renate Künast, Claudia Roth und Krista Sager.
Der Initiative Berliner Muslime gehören unter anderem die Gruppe "Muslimische Jugend in Deutschland" und das Islamische Kultur- und Erziehungszentrum an. Ein Kopftuchverbot diffamiere die Trägerinnen als fundamentalistisch, schränke das Recht auf freie Berufswahl ein und gefährde damit die Integration ausländischer Menschen, so die Initiatoren. Das Kopftuch sei weder ein religiöses noch ein politisches Symbol sondern lediglich ein Kleidungsstück, das zur Religionsausübung gehöre. (0280/17.01.2004)