Die Entscheidung über die Gründung einer "Nordkirche" wird um ein halbes Jahr verschoben. Die Synoden der Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern sollen erst im Frühjahr 2009 über den Fusionsvertrag abstimmen. Darauf haben sich die drei Kirchenleitungen am Mittwochabend in Lübeck geeinigt, teilte die kirchliche Pressestelle am Donnerstag mit. Sie reagierten damit auf Kritik vieler Kirchenkreise, die mehr Zeit für die Berechnung der Kosten gefordert hatten. Am Termin für die endgültige Fusion 2012 werde festgehalten, hieß es.
Nach Angaben der kirchlichen Pressestelle ging die Initiative von Nordelbien aus, um weitere "Detailfragen" zu klären. Das Ziel der Nordkirche werde damit nicht in Frage gestellt, sagte die Vorsitzende der Steuerungsgruppe, die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter. Die Verschiebung könne vielmehr die Akzeptanz erhöhen. Der Fusionsvertrag sei bereits "gereift" und müsse nur in einzelnen Punkten präzisiert werden.
Unterstützung kommt vom mecklenburgischen Bischof Andreas von Maltzahn. Die Verschiebung sei "sachgemäß", weil einige Punkte noch endgültig geklärt werden müssten. Dagegen hätte sich der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit eine schnelle Entscheidung gewünscht. Auch im Frühjahr würden noch nicht alle Dinge geregelt sein. Abromeit: "Wer nicht das Grundvertrauen aufbringt, dass die drei Kirchen zusammenkommen, wird auch im Frühjahr noch Argumente dagegen haben."
Bereits vor zwei Wochen hatte Bischof von Maltzahn die Verschiebung angedeutet. In der Nordelbischen Kirche fällt sie in eine Zeit des Umbruchs, weil Ende September sowohl der Schleswiger Bischof Hans Christian Knuth als auch Bischöfin Wartenberg-Potter in den Ruhestand treten. Für eine Zustimmung zum Vertrag ist eine Zweidrittel-Mehrheit in allen drei Synoden notwendig. Mit 2,5 Millionen Mitgliedern wäre die neue Nordkirche eine der größten Landeskirchen in Deutschland. (3.7.08/tm/hs) (epd)