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  Botschafterin mit einem Faible für Mord
Krimiautorin Sandra Lüpkes ist die neue «Stimme für Seeleute»


Dieter Sell

Bremen, Münster (epd). Irgendwie denkt Sandra Lüpkes nur immer an das
eine. «Hier kann man doch prima eine Leiche verschwinden lassen oder
jemanden um die Ecke bringen», sagt die 39-jährige Krimiautorin bei
ihrer ersten Fahrt durch den Bremer Hafen. Ihr Antrittsbesuch als
neue «Stimme für Seeleute» der Deutschen Seemannsmission ist fast so
etwas wie eine Tatort-Visite. Doch die Schriftstellerin zeigt sich
auch informiert. Kein Wunder, denn die Pastorentochter hat lange auf
der Nordseeinsel Juist gelebt und schreibt Krimis, die an der Küste
spielen.

   Die gelernte Schauwerbegestalterin Lüpkes löst die plattdeutsche
Band «Godewind» ab, die bisher ihre Stimme für Seeleute erhoben hat.
Die Botschafterin habe die Aufgabe, an die oftmals schwierige und
sozial isolierte Situation der Leute an Bord zu erinnern, erläutert
die Generalsekretärin der in Bremen ansässigen Deutschen
Seemannsmission, Heike Proske. «Das geht uns alle an», ist Lüpkes
selbst überzeugt. «90 Prozent der Waren im Welthandel kommen über das
Meer. Mit jeder Banane, mit jedem Kaffee profitieren wir von den
Seeleuten.»

   Auf der Brücke des knapp 200 Meter langen liberianischen
Containerfrachters «AS Asturia» kommt die Autorin und Sängerin
schnell mit der Mannschaft ins Gespräch. «Insel und Schiff sind
Mikrokosmen, die etwas gemeinsam haben», sagt die Mutter von zwei
zehn und 13 Jahre alten Kindern, mit denen sie jetzt in Münster lebt.
Seefahrt, Fernweh und das Inselleben sähen viele Menschen
fälschlicherweise als Idylle. «Weil aber Jeder jeden kennt und keiner
weg kann, können viele Konflikte gar nicht ausgelebt werden, weil ein
Streit unglaubliche Kreise zieht.»

   Groß geworden ist sie im Haus des Inselpastors von Juist. «Ich
kannte die Zehn Gebote genauso gut wie andere die Namen einer
Popgruppe.» Doch schon in der vierten Klasse wollte sie
Schriftstellerin werden. Mit ihrem ersten Buch erdachte sie die
intuitiv ermittelnde und etwas chaotische Kommissarin Wencke Tydmers,
die auf den Inseln ermittelt und mit der sie einiges gemeinsam hat.
«Ich bin ja von Haus aus sehr anständig. Aber irgendwie kam es dann
ganz dicke und ich fing an, selbst Morde zu begehen, also
literarische natürlich», sagt Lüpkes.

   Die Süddeutsche Zeitung sieht in ihr gar einen Nachwuchsstar der
deutschen Krimiszene. Doch Starallüren sind ihr fremd, das wird
schnell deutlich im Gespräch an Bord. Demnächst erscheint ihr siebter
Krimi, der aber nicht mehr an der Küste spielt, sondern in Hannover
und in Istanbul. Unter dem Titel «Todesbraut» geht es um Ehrenmorde.
«Jeder kann zum Mörder werden - durch das Leben», ist Lüpkes
überzeugt, die in ihren Krimis keine Menschen ausweidet, sondern
Gewissen seziert.

   Nun will sie immer wieder für die Deutsche Seemannsmission
trommeln, die weltweit in 17 Auslands- und in weiteren 16
Inlandsstationen soziale Hilfen und Seelsorge für Seeleute
organisiert. Dabei erinnert sie sich gerne an ihre eigene Zeit in der
«christlichen Seefahrt»: Drei Monate hat sie als 21-Jährige auf der
Inselfähre zwischen Juist und Norddeich gependelt, hat an Bord als
Stewardess gelebt und gearbeitet. «Das war eine tolle Gemeinschaft»,
erinnert sie sich. «Wir haben abends nach Dienstschluss sogar
gemeinsam Krabben gepult.»

Internet: www.seemannsmission.org; www.sandraluepkes.de







 
 

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