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  Bremische Religionslehrer beklagen "Bildungskatastrophe"

Bremen (epd). Bremer Religionslehrer haben den Religionsunterricht im kleinsten Bundesland als "Bildungskatastrophe" bezeichnet. In mehr als der Hälfte der Grundschulen werde das Fach, das in Bremen "Biblische Geschichte" heißt, nicht unterrichtet, sagte der Vorsitzende des Fachlehrerverbandes "Aktionsgemeinschaft Biblische Geschichte/Religionskunde Bremen", Manfred Spieß, am Donnerstag vor Journalisten. In den Klassen fünf bis zehn fielen bis zu 75 Prozent des wöchentlich ohnehin nur einstündigen Unterrichts aus. "Kein anderes Bundesland muss eine so schlechte Bilanz ziehen", sagte Spieß.

Der Experte forderte die Bildungsbehörde auf, mit klaren Erlassen die Schulen zu verpflichten, Religionsunterricht zu erteilen. Obwohl der Biblische Geschichtsunterricht im Land Bremen Verfassungsrang habe, weigere sich Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD), ausreichend Religionslehrer einzustellen, kritisierte Spieß: "Dort weiß man nicht, wie notwendig der Unterricht für die Verständigung der Schüler aus den unterschiedlichsten Religionen ist." Er führe dies auf "Berührungsängste" der Politik mit der Religion zurück. Die Fachaufsicht in der Bildungsbehörde habe seiner Ansicht nach versagt.

Weiter kritisierte Spieß, dass zunehmend fachfremde Lehrer Biblische Geschichte oder in den oberen Klassen Religionskunde erteilten. Wo das Fach noch unterrichtet werde, stünden in bis zu 80 Prozent aller Stunden fachfremde Pädagogen am Lehrerpult. Spieß erneuerte den Vorschlag der Aktionsgemeinschaft, im Land Bremen einen "Beirat der Religionsgemeinschaften" zu bilden, der sich auf gemeinsame pädagogische Grundsätze für das Fach verständigen könne. Diese Anregungen könnten dann die Schulen und die Bildungsbehörde aufnehmen.

Mit einem solchen Beirat würde Bremen seinem traditionellen Ansatz gerecht, religiöse Bildung ohne konfessionelle Trennung und im Einvernehmen der gesellschaftlichen Kräfte zu organisieren, betonte Spieß. Pfarrer als Unterrichtende in der Schule lehnte er kategorisch ab: "Wir haben einen Bildungsauftrag, den nur Lehrer erfüllen können. Die Kirche kann ihr eigenes Feld beackern. Schule muss Schule bleiben."

Der Biblische Geschichtsunterricht wird nach Maßgabe der Bremer Landesverfassung von 1947 auf "allgemein christlicher Grundlage" und bekenntnismäßig nicht gebunden erteilt. Den Unterricht geben staatliche Lehrkräfte, die sich dazu ausdrücklich bereit erklärt haben. Schüler können durch ihre Eltern vom Unterricht abgemeldet werden. Sie sollen dann die Alternativfächer Philosophie oder Islamkunde wählen, die Spieß zufolge aber ebenfalls kaum erteilt werden.

Internet: www.reli-bremen.de (7173/7.1.10)





 
 

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