Tjalda Krumminga (Name geändert) liegt im Sterben. Die 92-Jährige wurde wegen Altersschwäche vor einigen Tagen in die Auricher Ubbo-Emmius-Klinik gebracht. Nach dem Anruf der Stationsschwester greift Krankenhauspastorin Marion Meyer zu ihrem Abschiedskoffer, geht zum Zimmer der alten Dame und schließt die Tür hinter sich. «Heute ist es gut, weil die Angehörigen schon da sind», sagt sie später. «Das ist leider nicht immer so.»
«Kein Sterben folgt dem berühmten Schema F», erläutert die 40-Jährige, die vor ihrem Theologiestudium eine Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte. Was und ob sie etwas aus ihrem Abschiedskoffer holt, hängt ganz vom Gesprächsverlauf mit dem Sterbenden oder den Angehörigen ab. In das leicht abgewetzte Lederteil hat sie Utensilien gepackt, die eine angenehme Atmosphäre verbreiten können. Bunte und weiche Tücher, eine Bibel, ein Duftlämpchen, ein paar Kerzen, ein Kreuz, eine Engelfigur, ein Segensbüchlein, ein paar künstliche Blumen - echte sind nicht erlaubt - und eine weiche Bürste.
«Vielen hilft ein Text aus der Bibel», erzählt die Pastorin. «Bei anderen merke ich sofort, dass in dieser Situation ein frommer Spruch fehl am Platz wäre.» Dann entzündet sei eine Kerze. «Sie hat einen hohen Symbolwert, damit kann jeder etwas anfangen.» Das bewusste Abschiednehmen sei wichtig, betont die Seelsorgerin. «Ein schlechter Abschied macht die Trauer schwer.» Manche Angehörigen verlassen das Sterbezimmer bereits nach 20 Minuten. Einige bleiben einen ganzen Tag.
«Wir wollen die letzte Lebensphase eines Menschen so angenehm wie möglich gestalten», sagt Marion Meyer. Angehörige sollten alles, was sie bewegt, dem Sterbenden zu erzählen, rät sie. «Auch wenn die Sterbenden es nicht mehr zeigen können, merkt man, dass sie ruhiger werden. Händehalten oder auch ein letztes mal die Haare bürsten, das hilft dem Sterbenden und den ( . . . ) (7048/17.11.09)
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