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  SPD: Wernstedt soll Vorsitz im Landesarbeitskreis für Heimkinderübernehmen

Hannover/Bramsche (epd). In Niedersachsen ist es zu Meinungsverschiedenheiten über die Leitung des Landesarbeitskreises "Heimerziehung 1945-1975" gekommen. Die SPD-Landtagsfraktion forderte am Dienstag in Hannover, dass der ehemalige Landtagspräsident Professor Rolf Wernstedt anstelle von Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) den Vorsitz übernehmen soll. Die Ministerin könne nicht als neutral gelten, da das Land in der fraglichen Zeit als Heimbetreiber und Aufsichtsbehörde selbst Verantwortung trug, kritisierte der SPD-Sozialexperte Uwe Schwarz. Wernstedt dagegen sei überparteilich. Ross-Luttmann weist die Forderung zurück.

Die SPD unterstützte damit einen Vorschlag des Landessprechers der ehemaligen Heimkinder in Niedersachsen, Jürgen Beverförden aus Bramsche bei Osnabrück. Der SPD-Politiker Wernstedt (69) war von 1998 bis 2003 Präsident des Landtages in Hannover und zuvor seit 1990 Kultusminister. Der Arbeitskreis soll das Unrecht an ehemaligen Heimkindern aufarbeiten. Ihm gehören Vertreter der ehemaligen Heimkinder, der Wohlfahrtsverbände, der kommunalen Spitzenverbände und des Landes an. Unter anderem geht es um die Einsicht in die alten Akten.

Das Sozialministerium erklärte, die Ministerin könne die Kritik nicht nachvollziehen. Ross-Luttmann habe sich frühzeitig an die Spitze derjenigen gesetzt, die eine Aufklärung wollten, sagte ihr Sprecher Thomas Spieker dem epd. Die zu untersuchenden Ereignisse lägen so lange zurück, dass die Rolle der Ministerin als Moderatorin davon nicht berührt sei. Zudem stünden bei weitem nicht alle Heimkinder hinter den Forderungen. Es handele sich um Äußerungen von Einzelnen.

Beverförden forderte die Ministerin im Namen der ehemaligen Heimkinder auf, die geplante wissenschaftliche Untersuchung zur Heimerziehung in Niedersachsen voranzutreiben. Dabei solle sie nicht nur die Universität Göttingen in Betracht ziehen. Auch andere Hochschulen in Niedersachsen arbeiteten schon seit längerem zu dem Thema. "Eine Ausschreibung ist kurzfristig notwendig, da die Zeit drängt", sagte Beverförden. Ende 2010 sei der Abschlussbericht vom bundesweiten "Runden Tisch" in Berlin zu erwarten, dafür sei qualifizierte Zuarbeit aus Niedersachsen erforderlich. In Berlin wird auch über Entschädigungen für die ehemaligen Heimkinder verhandelt.

Zwischen 1945 und 1975 wuchsen bundesweit mehrere Hunderttausend Kinder und Jugendliche in Waisen- und Erziehungsheimen auf, davon rund 50.000 in Niedersachsen. Drei Viertel der Heime wurden von kirchlichen Trägern geführt. Viele Insassen litten unter brutalen Erziehungsmethoden, Arbeitszwang, Prügel und sexuellen Übergriffen. In Niedersachsen hatten 77 Heime Jugendliche aufgenommen. An diesem Mittwoch wird sich eine Tagung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers in Hannover mit dem Unrecht an Heimkindern beschäftigen. (6210/6.10.09)





 
 

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