Die promovierte Politologin Erika Riemer-Noltenius (69) ist am Sonntag zur "Bremer Frau des Jahres 2009" gekürt worden. Sie habe sich in besonderer Weise für die Gleichstellung der Frauen im kleinsten Bundesland engagiert, sagte die Vorsitzende des Bremer Frauenausschusses, Gisela Hülsbergen, bei einem Festakt im Rathaus. So habe sie sich als erste Frau auf dem Posten der Personalratsvorsitzenden in der Handelskammer der Hansestadt dafür eingesetzt, dass Frauen bei gleichwertiger Tätigkeit den gleichen Lohn erhielten wie Männer. Im Oktober 1994 kandidierte Riemer-Noltenius als parteilose Frauenrechtlerin bei der zweiten gesamtdeutschen Bundestagswahl. Bei den Wahlen 2005 war sie Bundessprecherin der feministischen Partei "Die Frauen". Sie engagierte sich im Vorstand des Deutschen Akademikerinnen-Bundes, entwickelte mit anderen das Konzept einer Frauenuniversität und war zwischen 1991 und 1997 Vorsitzende des Bremer Frauenausschusses. Die Feministin, die 2004 an Krebs erkrankte, gehört zu den Mitbegründerinnen des Bremer Beginenhofes. In dem Komplex sollten ausschließlich Frauen arbeiten und wohnen.
Das Millionenprojekt in der Bremer Neustadt wurde zwar fertig, die für den Beginenhof gegründete Genossenschaft ging jedoch pleite. Erika Riemer-Noltenius wurde wegen Insolvenz-Verschleppung angeklagt und haftete mit ihrem Privatvermögen. Erst kürzlich hat das Bremer Wohnungsbauunternehmen Gewoba den Hof übernommen, der nun kein reines Frauenprojekt mehr ist. "Aber der Beginenhof steht und hat bundesweit zahlreiche Nachahmer gefunden", sagte Hülsbergen.
Erste "Bremer Frau des Jahres" war 1999 Angelika Dornhöfer. Sie engagiert sich bis heute gegen Gewalt an Frauen und ist seit langem in der Bremischen Evangelischen Kirche ehrenamtlich tätig. 2005 ging der Preis an zwei Sozialpädagoginnen in einem Beratungsprojekt der Inneren Mission für Zwangsprostituierte. Im vergangenen Jahr wurde die Einzelhandels-Kauffrau und Betriebsrätin Antje Treptow ausgezeichnet, die sich für die Rechte der Frauen am Arbeitsplatz einsetzt.
Der Titel der "Bremer Frau des Jahres" wird traditionell am Internationalen Frauentag am 8. März verliehen. Dann gehen weltweit Frauen für ihre Rechte an die Öffentlichkeit. Erstmals kamen im Jahr 1911 Frauen in den USA, Deutschland, Österreich, der Schweiz und in den skandinavischen Ländern zu Kundgebungen zusammen, um für ihr Wahlrecht zu demonstrieren. Seither geht es am Frauentag jedes Jahr um Forderungen wie gleichen Lohn für gleiche Arbeit und die Abschaffung von Diskriminierung. Frauenrechtsorganisationen prangern Gewalt gegen Frauen an.
Internet: www.bremer-frauenausschuss.de (8065/8.3.09)