In einer neuen Broschüre finden ältere Zuwanderer unterschiedlicher kultureller Herkunft und ihre Betreuer in Hannover künftig Ansprechpartner zu Fragen rund um die Sterbebegleitung und Bestattung. Der "Runde Tisch Alter und Migration" in der Stadt hat rund 60 Adressen verschiedener Religionsgemeinschaften von den Bahá'i bis zu den Yeziden zusammengestellt. "Die Zahl der älter werdenden Migranten wird größer", sagte die Abteilungsleiterin für Integration im niedersächsischen Innenministerium, Gabriele Erpenbeck, am Mittwoch. Damit steige zugleich der Bedarf an Bestattungen nach Riten anderer Kulturen. "Ältere Migranten überlegen sich, ob sie wirklich in ihrer Heimat bestattet werden müssen", erläuterte Erpenbeck. Daher sei es wichtig, dass sich die Kommunen in Deutschland auf neue Bestattungsformen einstellten: "Es gibt Themen, auf die man ohne große Probleme Rücksicht nehmen kann." Das Innenministerium fördert den "Interkulturellen Kompass" mit rund 4.000 Euro. Erpenbeck hofft, dass andere Ballungsräume im Land, etwa in Braunschweig, Osnabrück oder rund um Bremen, dem hannoverschen Beispiel folgen.
Die praktische Arbeit mit Zuwanderern habe gezeigt, dass viele Senioren in den Fragen über Tod und Sterben verunsichert seien, sagte Professorin Karin Strang vom "Runden Tisch": "Besonders beunruhigend war für sie, ob und in wie weit sie im Bedarfsfall kulturell und religiös angemessen versorgt werden." Dabei gehe es etwa um rituelle Waschungen oder Fragen der Einäscherung. Wichtig sei, dass sie am Lebensende einen Ansprechpartner fänden, der mit ihrer Kultur vertraut sei und ihre Muttersprache beherrsche. Der "Runde Tisch" ist ein Zusammenschluss von Mitarbeitern aus verschiedenen Einrichtungen der Migrationsarbeit und der Altenpflege.
Laut Erpenbeck haben derzeit acht Prozent der über 60-Jährigen in Niedersachsen einen Migrationshintergrund. In den nächsten zehn Jahren werde sich dieser Anteil nahezu verdoppeln. Die Broschüre ist in einer Auflage von 10.000 Exemplaren erschienen. Sie soll in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Hospizen, Sozialstationen, Pflegediensten, Beratungsstellen, Bestattungsunternehmen, Bürgerämtern sowie bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten und am Flughafen ausliegen, damit die dortigen Mitarbeiter sensibel reagieren und kompetent helfen könnten, hieß es.
Erhältlich gegen frankierten Rückumschlag beim Transkulturellen Pflegedienst, Kopernikusstraße 4a, 30167 Hannover. (8105/28.1.2009)