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  Expertin: Rechtsextreme Frauengruppen schießen wie Pilze aus demBoden
Kultusministerin warnt vor weiblicher Neonazi-Szene


Verden (epd). Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) hat vor der wachsenden Bedeutung von Frauen im Rechtsextremismus gewarnt. Zwar sei die Neonazi-Szene noch immer männlich geprägt, sagte die Politikerin am Donnerstag zu Beginn einer Fachtagung mit mehr als 100 Teilnehmern in Verden bei Bremen. Doch Frauen seien für fremdenfeindliche und rassistische Positionen nicht weniger empfänglich. Die Berliner Rechtsextremismus-Expertin Esther Lehnert warnte, Neonazi-Frauengruppen "schießen wie Pilze aus dem Boden".

Heister-Neumann bezifferte den Anteil der Frauen in der rechtsextremen Szene auf bis zu 20 Prozent mit einem Schwerpunkt im Osten Deutschlands. Ihre steigende Zahl bei Demonstrationen in allen Bundesländern sei ein Indiz für die wachsende Bedeutung. Die Ministerin bezog sich auch auf Studien wie einer Emnid-Umfrage, nach der sich bundesweit 14 Prozent der Frauen vorstellen können, bei der nächsten Landtagswahl rechtsextrem zu stimmen. Bei den Männern waren dies neun Prozent.

Die Erziehungswissenschaftlerin Lehnert sagte, Frauen blieben öfter unerkannt und würden seltener juristisch verfolgt. "Sie gelten als friedfertiger." Doch mittlerweile reiche ihr radikales Engagement von der klassischen Mitläuferin bis zur rassistischen Straßenkämpferin, die sich als "Hüterin der weißen Rasse" verstehe. Soziale Fragen und die Mutterschaft seien die bestimmenden Themen von Aktivistinnen, die etwa in der elitären "Gemeinschaft Deutscher Frauen" oder im NPD-nahen "Ring Nationaler Frauen" organisiert seien.

"Frauen in der Szene gelten als ideologisch gefestigter als die männlichen Kameraden", betonte Lehnert, die zum Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus gehört. Mit einem antiquierten und auf die Mutterrolle reduzierten Frauenbild stärkten sie den Zusammenhalt unter den Neonazis und vermittelten zwischen der NPD und den gewaltbereiten "freien Kameradschaften".

Mit Sprüchen wie "Nationalismus ist auch Mädelsache" und "klagt nicht, kämpft" werbe die rechtsextreme Szene verstärkt Frauen in jedem Alter an. Unter der Maske der sozial Engagierten setzten sie sich für Kinder und Erwerbslose ein, arbeiteten in kommunalen Parlamenten mit und erzögen ihre Kinder zu jungen Neonazis. Die Tagung in Verden wurde vom Europäischen Informations-Zentrum Niedersachsen in Kooperation mit weiteren Partnern organisiert.

Internet: www.netz-gegen-nazis.de; www.eiz-niedersachsen.de (2129/22.1.09)





 
 

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