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  In evangelischen Kinderheimen gab es viele Formen von Misshandlungen

Osnabrück (epd). Bei den Untersuchungen über die Zustände in evangelischen Kinderheimen in Niedersachsen in den 50er bis 70er Jahren kommen immer neue Formen von Misshandlungen zu Tage. So hätten Kinder, die zum Essen gezwungen worden seien, das von ihnen Erbrochene aufessen müssen, sagte der Beauftragte des Diakonischen Werkes der hannoverschen Landeskirche, Hans Bauer, in einem Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung (Dienstagausgabe). Sie seien geprügelt, gedemütigt und missbraucht worden. Er sei immer wieder erschüttert über die Vorkommnisse.

Er habe bisher mit 45 ehemaligen Heimkindern gesprochen sowie mit zehn ehemaligen Mitarbeitern und anderen Zeitzeugen, sagte der Leiter des Diakonie-Projekts "Gewalt und Unrecht in der Heimerziehung", das die Vorfälle aufarbeitet. Von den insgesamt 160 Betroffenen, die sich bei der Hotline des Diakonischen Werkes gemeldet hätten, seien 60 bis 70 Fälle eindeutig evangelischen Kinderheimen in Niedersachsen zuzuordnen. "Das ist eine Riesenzahl."

In einem Fall sei ein Jugendlicher mit einem Beckenbruch mit einem Tag Verspätung ins Krankenhaus eingeliefert worden. Ein Zwölfjähriger sei mehrfach von einem Diakon zum Sex gezwungen worden. Zuletzt habe er sich selbst das Nachthemd ausgezogen um der angedrohten Prügel zu entgehen. "Heute bezeichnet sich das Opfer als sexuellen Krüppel", berichtete Bauer.

Den Kindern sei außerdem das Recht auf Bildung verwehrt worden. "Das ist ein ganz eklatanter Punkt, der leider in der öffentlichen Diskussion noch zu kurz kommt", betonte der Beauftragte.

Bauer machte auch die Arbeitsbedingungen und Strukturen in den Heimen für die Misshandlungen und das Unrecht verantwortlich. Es habe nur eine geringe Zahl von Mitarbeitern gegeben, die häufig nicht einmal qualifiziert gewesen seien. Zudem seien die räumlichen Bedingungen schlecht gewesen und es habe viel zu wenig Geld gegeben. Andere Institutionen trügen eine Mitschuld. Die Jugendämter hätten oft völlig grundlos Kinder aus den Familien gerissen. Die Heimaufsicht habe "oft genug ihre Arbeit nicht gemacht und unmenschliche Zustände gedeckt".





 
 

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