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  Ministerin will Leid früherer Heimkinder aufarbeiten
Die Grünen starten eine parlamentarische Initiative im Landtag


Hannover (epd).

Die niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) hat ehemalige Bewohner von Kinderheimen aus den 50er und 60er Jahren dazu aufgerufen, sich mit detaillierten Informationen über erlittene Misshandlungen an ihre Behörde zu wenden. "Das Leid der Betroffenen rechtfertigt auch ein halbes Jahrhundert später noch jede Anstrengung", sagte sie am Dienstag in Hannover: "Dafür darf es nie zu spät sein."

Die Grünen starteten unterdessen eine parlamentarische Initiative zu den Misshandlungen im Landtag. Sie wollen klären, in welcher Weise das Land mitverantwortlich ist.

Das Sozialministerium habe Akten aus dem Hauptstaatsarchiv angefordert, um festzustellen, ob und welche Misshandlungen in kirchlichen und staatlichen Kinderheimen aktenkundig seien, teilte Ross-Luttmann mit. Sie wies darauf hin, dass es im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages inzwischen mehrere Anhörungen gegeben habe. Der Ausschuss habe seine Arbeit noch nicht abgeschlossen. Bisher habe er sowohl Vertreter ehemaliger Heimbewohner als auch Wissenschaftler und öffentliche und freie Jugendhilfeträger angehört.

Die Grünen wollen in Erfahrung bringen, wie seinerzeit die Aufsicht organisiert und wahrgenommen wurde und in welcher Form das Land seinen Verpflichtungen damals nachgekommen ist. "Die Kinder wurden durch staatliche Stellen in die Heime gegeben", sagte die stellvertretende Fraktionschefin Ursula Helmhold am Dienstag: "Diese Stellen hätten beaufsichtigt werden müssen."

In der vergangenen Woche war nach einem Bericht des Diakonischen Werkes der hannoverschen Landeskirche bekannt geworden, dass Kinder und Jugendliche in Erziehungsheimen der Nachkriegszeit schwere Misshandlungen bis hin zu sexuellem Missbrauch erlitten hatten. "Soweit es zum jetzigen Zeitpunkt zu beurteilen ist, arbeitet die Landeskirche die Vergangenheit in vorbildlicher Weise auf", sagte Helmhold.

Am Montag hatte die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann dazu aufgerufen, Misshandlungen in evangelischen Erziehungsheimen rückhaltlos offenzulegen. "Auch in kirchlichen Heimen wurde mit Gewalt erzogen, stellen wir mit Erschrecken fest", sagte Käßmann. Wie in der Gesellschaft insgesamt habe auch in der Kirche die Prügelstrafe als normal gegolten. Auf Anregung Käßmanns hatte das Diakonische Werk eine Studie zu "Gewalt und Unrecht in der Heimerziehung der 50er und 60er Jahre" in Auftrag gegeben.

Dabei hatten Betroffene berichtet, es sei in den Heimen auch zu Vergewaltigungen gekommen. "Das muss aufgedeckt werden", forderte die Bischöfin: "Die Opfer müssen gehört und die Täter ermittelt werden." Bei einer Telefon-Hotline der Diakonie haben sich unterdessen rund 60 Anrufer aus ganz Deutschland gemeldet, unter ihnen auch Opfer aus katholischen Einrichtungen.

Adressen: Niedersächsisches Sozialministerium, Referat 301, Postfach 141, 30159 Hannover, Telefon 0511/120-3010. Hotline der Diakonie: 0511/3604-344 (epd Niedersachsen-Bremen/b2679/23.09.08)





 
 

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