Vorschnell gegründete Ich-AGs können nach Angaben von Schuldnerberatern in Hannover rasch in die Überschuldung führen. "Wer nicht von Anfang an ein klares Konzept hat und unternehmerisch denken kann, ist schon nach wenigen Monaten so weit, dass er seine Miete nicht mehr zahlen kann", sagte Ilse Müller vom evangelischen Arbeitslosenzentrum Hannover am Mittwoch vor Journalisten: "Hier ist Beratung erforderlich."
Die Schuldnerberatung des Zentrums sei zunehmend mit Klienten konfrontiert, denen der Sprung in die Selbstständigkeit nicht gelungen sei. So meldeten viele, die arbeitslos geworden seien, in ihrer Verzweiflung ein Gewerbe an. Sie übersähen dabei aber, dass sie von dem Geld, das sie als Ich-AG vom Staat erhielten, auch Sozialbeiträge zahlen müssten. Eine gute Möglichkeit seien Ich-AGs für Menschen, die betriebswirtschaftlich denken könnten oder deren Partner ein festes Einkommen habe.
Das Arbeitslosenzentrum berät nach eigenen Angaben derzeit 115 arbeitslose Schuldner im Jahr im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit. Von den 450 Personen, die seit dem Jahr 2000 betreut wurden, fanden 180 wieder eine Arbeit. Weitere 100 hätten ihre berufliche Qualifikation durch Weiterbildung verbessert. Damit habe weit mehr als die Hälfte der Klienten wieder eine berufliche Perspektive. "Das macht Mut", sagte Müller. Parallel arbeiteten die Berater mit den Klienten daran, den Schuldenberg abzubauen.
Müller rechnet damit, dass die Zahl der arbeitslosen Schuldner weiter steigen wird. Die Leistungskürzungen bei Arbeitslosen durch die Hartz-Gesetze sei bereits spürbar. Damit wachse auch der Bedarf an Schuldnerberatung. Nach den Angaben des Zentrums waren die bisher beratenen Klienten zu drei Vierteln Männer. 84 Prozent lebten allein. Zwei Drittel waren zwischen 30 und 50 Jahre alt. Insgesamt sind in Deutschland rund drei Millionen Haushalte überschuldet. (epd Niedersachsen-Bremen/b0889/24.03.04)