Der Bremer Pflegewissenschaftler Professor Stefan Görres begrüßt den Einsatz Langzeitarbeitsloser bei der Betreuung demenzkranker Menschen in Altenheimen. Mit einem ähnlichen Modellprojekt Anfang der 1990er-Jahre in Hamburg seien trotz anfänglicher Bedenken gute Erfahrungen gemacht worden, sagte der Direktor des Bremer Instituts für Pflegeforschung am Montag dem epd. Wenn Ausbildung und Begleitung gewährleistet seien, sei der Einsatz ein guter Beitrag im Kampf gegen den herrschenden Pflegenotstand in der stationären Pflege.
Nach dem neuen Pflegegesetz dürfen Heime für demenzkranke Bewohner zusätzliches Personal einstellen, das von den Pflegekassen bezahlt wird. Die Bundesagentur für Arbeit bildet derzeit bundesweit Bewerberpools für sogenannte Pflegeassistenten. "Durch das '400-Stationshilfen-Programm' vor 15 Jahren in Hamburg konnten zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden", erinnerte Görres: "Viele Langzeitarbeitslose haben einen Job bekommen, und auch die Pflegequalität wurde besser."
Die Pflege Demenzkranker sei psychisch enorm belastend, räumte Görres ein. Durch eine Supervision oder eine sozialpädagogische Begleitung könne dem begegnet werden. Eine Billig-Pflege durch die Verdrängung von Fachkräften, wie von Kritikern befürchtet, erwartet Görres nicht. Das habe es auch in Hamburg nicht gegeben. "Angesichts des Pflegenotstandes, den wir wieder haben, können wir es uns gar nicht leisten, auf den Einsatz von Pflegeassistenten zu verzichten."
Der Leiter der evangelischen Altenpflege-Einrichtung "Wichernstift" in Ganderkesee bei Delmenhorst, Friedrich Mohn, äußerte sich skeptisch. Für die Betreuung Demenzkranker sei qualifiziertes Personal nötig. Langzeitarbeitslose müssten für diese Arbeit über Vorerfahrungen und Einfühlungsvermögen verfügen. Denkbar sei, berufsunfähige Krankenschwestern oder Pfleger mit einem einjährigen Kolloquium zu Demenz-Beratern auszubilden. "Aber der Handwerksmeister, der etwa wegen einer Staubunverträglichkeit nicht mehr arbeiten kann, ist eher ungeeignet."
Der Einsatz ehemals Erwerbsloser als ambulante "Alltagshelfer" für Demenzkranke in Braunschweig ist nach Angaben der Hilfsorganisation "ambet" überwiegend erfolgreich. Sie werden laut Diplompsychologin Marianne Golmann in halbjährigen Kursen, die von der Bundesagentur bezahlt werden, vorbereitet. Die Helfer sollen die Pflegekräfte ergänzen, aber nicht ersetzen. Es gebe allerdings Grenzbereiche, sagte die Psychologin. Dazu gehörten Hilfen beim Essen und beim Gang auf die Toilette. (epd Niedersachsen-Bremen/b2226/18.08.08)