Der Leitende Bischof der Evangelischen Lutherischen Kirche in Amerika, Mark Hanson, hat sich bei US-Präsident Barack Obama für eine umfassende Reform des Einwanderungsrechts eingesetzt. Andernfalls entstünde ein verwirrendes und "untragbares Flickwerk" örtlicher Gesetze, warnte Hanson in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief an Obama. Die Reform müsse dafür sorgen, dass Familien nicht auseinandergerissen werden und Menschen, die illegal im Land lebten, "aus dem Schatten herauskommen können."Christen hätten vom Glauben her den "eindeutigen Auftrag," Einwanderer willkommen zu heißen, betonte der Bischof der größten lutherischen Kirche in den USA und frühere Präsident des Lutherischen Weltbundes (LBW). Auch andere Kirchen in den USA haben sich inzwischen in die Einwanderungsdebatte eingemischt und fordern ein großzügigeres Einwanderungsrecht.
Rund elf Millionen Menschen leben gegenwärtig ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung in den USA. Versuche zur Reform scheiterten bisher vor allem am Nein der Republikaner zu Plänen demokratischer Politiker, "Illegalen" unter bestimmten Auflagen die Einbürgerung zu ermöglichen. Mehrere Bundesstaaten und Kommunen haben angesichts des nationalen Stillstands restriktive Gesetze beschlossen.
Ein besonders drakonisches Gesetz, das am Donnerstag im Bundesstaat Arizona in Kraft treten sollte, wurde am Mittwoch von einer Richterin in Phoenix zumindest vorübergehend gestoppt. Das Gesetz hätte es der Polizei erlaubt, Passanten anzuhalten und sogar festzunehmen, um die Staatsangehörigkeit zu prüfen. Arizona grenzt im Süden an Mexiko. Von dort aus versuchen täglich Menschen, ohne Papiere in die USA zu gelangen. In Arizona lebt etwa eine halbe Million illegaler Einwanderer.
Evangelikale Persönlichkeiten sind inzwischen auf Distanz gegangen zur Republikanischen Partei, die das Arizona-Gesetz befürwortet. Die Latino-Bevölkerung sei meist religiös, familienorientiert und bei sozialen Fragen konservativ, sagte der Präsident der baptistischen Kommission für Ethik und Religionsfreiheit, Richard Land. Man dürfe dieses Menschen nicht wegtreiben.