Ein Pfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ist bereits vor vier Jahren per E-Mail über einen Missbrauchsfall in der Kirche informiert worden, hat darauf aber nicht reagiert. In einer persönlichen Erklärung bestätigte der Pfarrer am Montag, damals eine entsprechende E-Mail des Opfers erhalten zu haben. Die sexuellen Übergriffe eines anderen Pfarrers gegen einen Jungen Anfang der 80er Jahre in Friedrichsdorf im Taunus waren am Freitag bekanntgeworden.Er habe es für "völlig undenkbar und ausgeschlossen" gehalten, dass sein Kollege die ihm vorgeworfenen Taten tatsächlich begangen haben könnte, erklärte der Pfarrer. Daher habe er die Entscheidung getroffen, die Mail nicht zu beantworten und mit niemandem darüber zu reden, sagte der Seelsorger dem epd. Heute bedauere er diese Entscheidung sehr.
Dass der Kollege diesen "schwerwiegenden Vorwurf" nicht der Kirchenverwaltung in Darmstadt gemeldet habe, werde ein dienstaufsichtliches Gespräch zur Folge haben, kündigte EKHN-Pressesprecher Stephan Krebs an. Zudem werde geprüft, ob es ein disziplinarrechtliches Verfahren gegen ihn geben werde. Denn grundsätzlich gelte in der EKHN, dass bei Bekanntwerden eines Missbrauchsverdachts die Staatsanwaltschaft einzuschalten sei.
Der Friedrichsdorfer Pfarrer, der sich seit 2009 im Ruhestand befindet, hatte am vergangenen Freitag eingeräumt, Anfang der 80er Jahre mit einem Jungen seiner Gemeinde Kontakte gehabt zu haben, "die sexuell übergriffig und mit dem Dienst eines Pfarrers nicht vereinbar waren". Er bereue dies heute zutiefst.