Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich der Kritik am Papst angesichts der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche nicht angeschlossen. Es sei für die Bundesregierung ein gutes Zeichen, dass die katholische Deutsche Bischofskonferenz für ihre Aufarbeitung der Fälle die Rückendeckung des Vatikans bekommen habe, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans am Montag in Berlin.Merkel habe es begrüßt, dass Papst Benedikt XVI. die Notwendigkeit einer vollständigen Aufklärung unterstrichen habe. "Sie ist zufrieden mit der Botschaft, die Erzbischof Robert Zollitsch aus dem Vatikan mitgebracht hat", sagte Steegmans. Es gehe zudem nicht nur um die katholische Kirche beim Thema Kindesmissbrauch, sondern um eine gesamtgesellschaftliche Debatte.
Nach einem Gespräch mit dem Papst in Rom hatte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Zollitsch, berichtet, dass Benedikt XVI. mit großer Betroffenheit und tiefer Erschütterung auf die Fälle in katholischen Einrichtungen in Deutschland reagiert habe. Das Kirchenoberhaupt unterstütze uneingeschränkt die Maßnahmen der deutschen Bischöfe zur Aufklärung und zur Prävention künftiger Missbrauchsvorfälle, hieß es weiter.
Am Wochenende berichteten mehrere Zeitungen, dass in der Amtszeit des heutigen Papstes als Erzbischof von München und Freising ein wegen Kindesmissbrauchs vorbelasteter Priester in der Gemeindearbeit eingesetzt worden sein. Der Vatikan sprach daraufhin von einer Verleumdungskampagne gegen den Papst. Kirchenkritiker und Missbrauchsopfer forderten eine Entschuldigung des Papstes.