Auch in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ist ein Fall von sexuellem Missbrauch bekanntgeworden. Ein Pfarrer aus Friedrichsdorf im Taunus, der sich inzwischen im Ruhestand befindet, habe eingeräumt, Anfang der 1980er Jahre mit einem Jungen seiner Gemeinde Kontakte gehabt zu haben, "die sexuell übergriffig und mit dem Dienst eines Pfarrers nicht vereinbar waren", sagte Kirchensprecher Stephan Krebs dem epd am Freitag.Er bereue dies heute zutiefst, erklärte der Pfarrer. "Viel deutlicher als damals sehe ich heute, welches Leid ich dem Betroffenen damit zugefügt habe. Ich habe den aufrichtigen Wunsch, bei ihm um Verzeihung zu bitten und zu fragen, was ich dazu tun kann, dass er die damaligen Erlebnisse seelisch verarbeiten kann."
Die Kirchenverwaltung werde sich bemühen, ein Gespräch zwischen beiden zu vermitteln, erklärte Krebs weiter. Ferner werde sie der Kirchenleitung auf ihrer Sitzung am 18. März vorschlagen, staatsanwaltliche Ermittlungen und ein Disziplinarverfahren einzuleiten.
Außerdem seien gegen zwei weitere kirchliche Mitarbeiter Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs erhoben worden, räumte Krebs ein. Betroffen seien ein Ehrenamtlicher und ein Kirchenmusiker. "Wir ermitteln", sagte Krebs. Grundsätzlich schalte die Landeskirche bei derartigen Vorwürfen immer die Staatsanwaltschaft ein - es sei denn, das Opfer lehne dies ausdrücklich ab. Nach Abschluss eines eventuellen Strafverfahrens führe die Kirche in der Regel ein Disziplinarverfahren durch, das mit Sanktionen bis zur Entfernung aus dem Dienst verbunden sei.