Haiti ist nach Ansicht der Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, schon vor der Erdbebenkatastrophe zum Armenhaus und zur Müllhalde der Welt geworden. "Die Katastrophe hat Haiti von einem Moment auf den anderen in die Schlagzeilen katapultiert, nachdem sich Jahrzehnte niemand für die Lage dort interessiert hat", sagte die Pfarrerin am Montag in Stuttgart."Dieses Land ist arm und unfähig gemacht worden, sich selber ernähren zu können", sagte Füllkrug-Weitzel. Durch den Import von Nahrungsmitteln zu Dumpingpreisen sei die Landwirtschaft Haitis systematisch zerstört und die Fähigkeit zur eigenen Ernährung immer weiter untergraben worden. Zudem sei das Land durch die Zinsen für seine Auslandsschulden in eine immer aussichtslosere Lage geraten.
Bei allen Hilfsmaßnahmen nach dem schweren Erdbeben am 12. Januar sei es nun besonders wichtig, dass die Bevölkerung miteinbezogen werde, um sie nicht noch weiter in die Abhängigkeit von anderen Ländern, fremden Helfern sowie in die Ohnmacht und in die Passivität zu drängen. Diese Gefahr sei derzeit unter dem Ansturm internationaler Helfer, die keinen lokalen Partner haben, sehr groß, sagte die Direktorin des evangelischen Hilfswerks.
Da auf dem Land die ärmsten Menschen leben - über 80 Prozent verdienen nicht mehr als einen US-Dollar pro Tag - werde die Diakonie Katastrophenhilfe vor allem dort tätig sein. So werden etwa im Süden des Landes, in Jacmel, Familien mit Werkzeugen ausgestattet, um ihre Häuser aufzubauen, und mit Geld und Essen unterstützt. Zudem sei auf dem Land besonders wichtig, dass es genug Saatgut gebe, um im März die Felder bestellen zu können. Da die Partnerorganisationen direkten Kontakt zu den Betroffenen hätten, gebe es keinen Streit um Hilfsgüter.
Die Diakonie Katastrophenhilfe plant mit "Brot für die Welt" und dem weltweiten Netzwerk "ACT Alliance" Schritte für langfristige Hilfe in Haiti. 13 Mitglieder der "ACT Alliance" sind in Haiti in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern längerfristig tätig. Die Koordination wird von einem haitianischen Team geleitet. Bei dem Erdbeben vor knapp einem Monat kamen über 200.000 Menschen ums Leben, mehr als eine Million Haitianer ist auf Hilfe angewiesen.