In China müsste der Respekt für Tiere nach Einschätzung von Tierschutz-Aktivistin Wu Tianyu schon in der Schule gelehrt werden. "Tierquälerei ist oft nicht mal Bosheit, sondern Ignoranz", sagte die 64-Jährige dem epd in Peking. "Dass Tiere genau wie Menschen verletzliche Lebewesen mit Gefühlen sind, kommt vielen nicht in den Sinn."Der in Peking jüngst diskutierte Entwurf über ein "Anti-Misshandlungsgesetz von Tieren" könne nur ein erster Schritt sein. Der Entwurf sieht unter anderem eine Geldstrafe von umgerechnet rund 500 Euro und 15 Tage Arrest für den Verzehr von Katzen- und Hundefleisch vor. "Wir fordern neben strengeren Gesetzen auch eine Aufnahme von Tierschutz in das Bildungscurriculum", sagte Wu, "man muss das Bewusstsein der Menschen für Tiere ändern."
Ihr 1988 gegründeter Verein "Animal Rescue Beijing" ist die älteste Initiative für Tierschutz in China. Die grausamen Zustände auf Pekings Tiermärkten und das brutale Fangen von Haushunden per Schlag auf den Kopf haben die Ingenieurin dazu gebracht, nahezu das ganze Erbe der Eltern in ihr Engagement für Tiere zu stecken.
In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Chinesen, die sich Haustiere halten, stetig gewachsen. Im Jahr 1994 wurde die Haltung von Hunden und Katzen in Städten unter Auflagen legalisiert.