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  Kirchen dringen auf Fortschritt in Ökumene

Frankfurt a.M. (epd). Auf mehr Fortschritte in der Ökumene haben am Reformationstag Bischöfe der beiden großen Kirchen gedrängt. Das Gemeinsame sei größer als das Trennende, hieß es bundesweit in zahlreichen Gottesdiensten. Auf Kritik stieß die anhaltende Trennung beim Abendmahl. Zugleich erinnerten katholische und evangelische Christen am Wochenende in Augsburg an die vor zehn Jahren unterzeichnete '"Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" von Vatikan und Lutheranern.

Das Dokument sei ein "Meilenstein" gewesen und müsse zu einem "neuen Aufbruchsignal" der Ökumene werden, sagte der Mainzer Kardinal und frühere Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, am Samstag in Augsburg. In mancher Hinsicht sei die Erklärung aber folgenlos geblieben, weil man diese "nicht weiter vertieft, umgesetzt und so auch spirituell fruchtbar gemacht hat".

Der scheidende Berliner Bischof Wolfgang Huber äußerte sich zuversichtlich über Fortschritte in der Ökumene. Die Übereinkunft zur Rechtfertigungslehre sei ein entscheidender Schritt in eine gemeinsame Zukunft gewesen, sagte Huber am Samstag in einem Gottesdienst in Berlin. "Die Einheit der Konfessionen ist uns vorgegeben", sagte der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zugleich äußerte Huber in einem Gespräch mit der ökumenischen Nachrichtenagentur ENI auch Enttäuschung über Rückschritte in der Ökumene. "Wir hatten in den vergangenen zehn Jahren Schwierigkeiten gehabt", sagte er.

Der im Vatikan für Ökumenefragen zuständige Kurienkardinal Karl Kasper würdigte in Augsburg anlässlich der Feierlichkeiten zum zehnten Jahrestag der Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung" die ökumenische Bewegung. Es gebe zu ihr keine Alternative. Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen kritisierte das "gottlose Gejammer über vermeintlichen Stillstand in der Ökumene und die elende Miesmacherei, die nur sieht, was alles noch nicht erreicht ist."

Joachim Vobbe, scheidender Bischof der alt-katholischen Kirche in Deutschland, ermutigte katholische und evangelische Christen zum gemeinsamen Abendmahl. "In der ewigen Seligkeit gibt es keine nach Konfessionen getrennten Tische", sagte der 62-Jährige laut Redemanuskript im Altenberger Dom. Wenn ein gemeinsames Abendmahl erst nach Klärung aller theologischen Fragen und entsprechenden Vereinbarungen möglich werde, dann sei das "14 Tage nach dem Jüngsten Tag". Die Alt-Katholiken verstehen sich als eigenständige Reformkirche und sind von Rom unabhängig.

Die beiden großen Kirche erinnerten am Wochenende auch an den protestantischen Reformator Philipp Melanchthon (1497-1560). Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, würdigte ihn im badischen Bretten als Menschen, der alles getan habe, um die Spaltung der Kirche zu verhindern. Mit dem Gottesdienst wurde das Melanchthonjahr der evangelischen Kirche eröffnet. Anlass ist der 450. Todestag Melanchthons im kommenden Jahr.

Der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Jann Schmidt, warb in einer Predigt zum Reformationstag in Emden für eine Stärkung der Ökumene. Viele Impulse zur Weiterentwicklung der Kirchen würden heute von der ökumenischen Bewegung ausgelöst. "Ökumene könnte man als neuen Namen der Reformation bezeichnen", sagte Schmidt.

Am Reformationstag erinnern Protestanten in aller Welt an den Beginn der Reformation durch Martin Luther (1483-1546) und die Gründung der evangelischen Kirche vor fast 500 Jahren. Weil sich die mittelalterliche Papstkirche einer Reform verweigerte, kam es zu der von Luther zunächst nicht beabsichtigten Bildung der evangelischen Kirche.





 
 

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