Die neue Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, will sich verstärkt um Ökumene mit den Katholiken bemühen. "Ich möchte sehr gerne deutlich machen, dass wir als christliche Kirchen wesentlich mehr gemeinsam haben als uns trennt", sagte sie in einem am Freitag von Radio Vatikan ausgestrahlten Interview.Käßmann trat Befürchtungen entgegen, es könne im Gespräch mit katholischen Bischöfen Schwierigkeiten geben, weil sie eine Frau ist. Als Bischöfin der größten lutherischen Kirche in Deutschland habe sie in den vergangnen zehn Jahren bereits gute Kontakte zu ihren katholischen Amtskollegen in Niedersachsen aufgebaut.
In zahlreichen Gemeinden sei Ökumene bereits jetzt eine "Selbstverständlichkeit", betonte Käßmann. Als Beispiel nannte sie die gemeinsame Nutzung von Kirchengebäuden. Für umfassende theologische Fragen - etwa zum Amts- und Kirchenverständnis oder zu gemeinsamen Abendmahlsfeiern - "brauchen wir Geduld". Katholische und lutherische Kirchen seien "verschieden, aber ein vertrauensvolles Miteinander gibt es trotzdem".
Als Hauptanliegen bezeichnete die EKD-Ratsvorsitzende die Fortführung des unter ihrem Vorgänger Wolfgang Huber begonnenen Reformprozesses. Mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 wolle sie die evangelische Kirche ermutigen, "auch in einer schwierigen Zeit fröhlich und selbstbewusst Kirche zu sein". Zudem wolle sie soziale Fragen wie Kinderarmut in Deutschland und Bildungschancen in den Vordergrund rücken.