NACHRICHTEN
AUS DEUTSCHLAND
AUS DER WELT
DAS RESSORT
HOME
SUCHE
ADRESSEN
PRODUKTE
LINKS
SITEMAP
Dokumentation
Film
Medien
Sozial
Bayern
Hessen
Niedersachsen-Bremen
Nord
Ost
Rheinland-Pfalz/Saarland
Südwest
West
Bilddatenbank
Grafikdatenbank
Die Nachrichten-Agentur
Anzeigen
Freie Stellen
Kontakt
Impressum
   
Abonnieren Sie unsere Newsletter! Druckversion Empfehlen Sie die Seite weiter! Bestellen Sie direkt!
  Muslime wollen in Notfallseelsorge eingebunden werden

Köln (epd). Vertreter islamischer Verbände haben sich dafür ausgesprochen, Muslime stärker in die Notfallseelsorge einzubeziehen. Es gebe einen Bedarf für eine islamische Seelsorge nach Unglücken und plötzlichen Trauerfällen, sagte Kemalettin Oruc, Dialogbeauftragter der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), am Montag in Köln. Bislang seien Imame jedoch nicht dafür ausgebildet, Angehörigen nach tragischen Vorfällen Beistand zu leisten. "In der Türkei gibt es solch eine Seelsorge nicht", sagte Oruc mit Blick auf die christliche Notfallseelsorge.

Engin Karahan, Öffentlichkeitsreferent der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), hält eine Notfallbegleitung für Muslime ebenfalls für notwendig. Dazu sollten sich die bestehenden Seelsorgesysteme stärker für muslimische Partner öffnen. Zugleich müssten sich auch die Muslime mehr einbringen. "Ich denke, man kann aus dem Erfahrungsschatz der christlichen Notfallseelsorge schöpfen", sagte Karahan. Eine eigene Krisenbegleitung nur für Muslime lehnte er ab. Es sollte einen gemeinsamen Pool aller Religionen geben.

Im Islam gebe es eigentlich keine Seelsorge wie im Christentum, erklärte Nigar Yardim, muslimische Theologin des Verbandes der Islamischen Kulturzentren (VIKZ). Der islamische Fürsorge-Gedanke sei in der Praxis jedoch ähnlich. Yardim betonte, dass Christen sterbenden oder trauernden Muslimen nicht mit islamischen Gebeten beistehen könnten. Wenn in einer Unfallsituation aber nur ein christlicher Seelsorger zugegen sei, könne er einem Muslim trotzdem auf menschliche Weise Trost spenden.

Auch der evangelische Landespfarrer für Notfallseelsorge im Rheinland, Joachim Müller-Lange, betonte, dass Christen eine Krisenbegleitung von Muslimen für Muslime nicht ersetzten könnten. Wenn katholische oder evangelische Seelsorger an einen Unglücksort gerufen würden, wüssten sie zunächst nicht, welchen Glauben ein Betroffener habe. Deshalb sei es wichtig, bei Bedarf auch an geschulte muslimische Helfer verweisen zu können, sagte Müller-Lange bei der Fachtagung der Christlich-Islamischen Gesellschaft.

Es gibt bundesweit rund 250 Notfallseelsorgeteams, die unmittelbar nach tragischen Vorfällen den Opfern und ihren Angehörigen zur Seite stehen. Getragen werden die Dienste meist von Pfarrern und anderen Mitarbeitern der evangelischen und katholischen Kirche. Daneben gibt es auch viele ehrenamtliche Mitarbeiter, die speziell für diese Aufgabe geschult wurden. Um auch Muslime stärker einzubinden, arbeitet die Christlich-Islamische Gesellschaft derzeit an einer Erweiterung der bisherigen Ausbildung für Notfallseelsorger.

epd lwd jup





 
 

© epd Hinweis zum Urheberrecht

 

 
Evangelischer Pressedienst, Emil-von-Behring-Straße 3, 60439 Frankfurt am Main
info@epd.de