Der Europarat wird nicht wie zunächst geplant in dieser Woche über die Gefahren des Kreationismus im Bildungsbereich debattieren. Die Parlamentarische Versammlung der Staatenorganisation setzte einen Bericht dazu von der Tagesordnung ab. Von 119 Mitgliedern der Versammlung lehnten am Montag 63 eine Debatte des Berichtes ab und wiesen ihn an den zuständigen Ausschuss für Kultur, Wissenschaft und Bildung zurück.
Die Kreationisten erklären die Entstehung allen Lebens mit der biblischen Schöpfungsgeschichte. Sie wenden sich gegen die von Charles Darwin (1809-1882) entwickelte Evolutionslehre. Diese Theorie beschreibt die Entstehung von Tier- und Pflanzenarten durch zufällige genetische Änderungen im Laufe von Jahrmillionen und gehört zum Fundament der Naturwissenschaft.
Der zuständige Berichterstatter, der französische Sozialist Guy Lengagne, äußerte sich schockiert über die Entscheidung der Versammlung. Er sehe darin ein Manöver derjenigen, die mit allen Mitteln die Evolutionstheorie bekämpften und ihre kreationistischen Vorstellungen durchsetzen wollten. "Wir erleben hier, wie die Weichen für eine Rückkehr ins Mittelalter gestellt werden, und zu viele Mitglieder dieser Menschenrechts-Versammlung bemerken es nicht", erklärte der Parlamentarier.
Der Vorsitzende der konservativen Fraktion, der belgische Christdemokrat Luc van den Brande, verteidigte die Entscheidung. Die in dem Resolutionsentwurf vorgenommene Kritik an den kreationistischen Vorstellungen sei unausgewogen.
In dem Bericht wird gewarnt, die Verfechter des Kreationismus seien darauf aus, die Demokratie durch eine Theokratie zu ersetzen. Kreationistische Vorstellungen, wie sie vor allem von christlichen Fundamentalisten vertreten werden, sollten nur im Religionsunterricht, nicht aber im Fach Biologie behandelt werden. (07544/26.6.2007)