In die deutschen Kirchtürme sollen mehr Turmfalken, Schleiereulen und Fledermäuse einziehen. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und die beiden großen christlichen Kirchen starteten am Mittwoch in Berlin die Aktion "Lebensraum Kirchturm", mit dessen Hilfe die Ansiedlung der immer seltener werdenden Tiere gefördert werden soll. Kirchengemeinden wurden aufgefordert, mehr Einfluglöcher und Nischen in ihren Türmen zu schaffen.
Nach Angaben des NABU leben in Deutschland rund 50.000 der 350.000 Turmfalkenpaare Europas. Etwa zwei Drittel von ihnen ziehen ihren Nachwuchs in Brutnischen an Kirchtürmen auf. Durch Sanierungsarbeiten gingen an den Gebäuden jedoch immer mehr Nistmöglichkeiten verloren. Zudem würden Einfluglöcher und Nischen zur Abwehr von Tauben gezielt vergittert. Auch Schleiereulen und Fledermäuse litten dadurch zunehmend unter Wohnungsnot.
Für den Turmfalken, den "Vogel des Jahres 2007", empfiehlt der NABU deshalb die Anbringung spezieller Nistkästen, die außerhalb der Brutzeit, von August bis Februar, verschlossen werden können. "Unser Wunsch ist es, dass sich möglichst viele Menschen in ihrer Gemeinde für den Turmfalken und andere selten gewordene Tierarten engagieren", erläuterte Präsident Olaf Tschimpke.
Auch die Kirchen rufen aus Verantwortung für die Schöpfung zu mehr Engagement auf. Mit der Aktion sollen die Kirchengemeinden erreicht werden, die insgesamt fast 55.000 Kirchtürme betreuen. Viele wüssten nicht, dass sie einen ganz praktischen Beitrag zum Natur- und Umweltschutz leisten könnten, sagte der Vorsitzende des "Beratungsausschusses für das Deutsche Glockenwesen", Kurt Kramer. Deshalb solle über tiergerechte Sanierungen informiert und der Austausch mit örtlichen NABU-Gruppen gefördert werden.