Kanzleramtschef Thomas de Maiziere (CDU) hat die exklusiven Senderechte der christlichen Kirchen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verteidigt. Die Gottesdienstübertragungen oder das "Wort zum Sonntag" sollten durch Pläne des ZDF für ein spezielles Internetangebot für Muslime nicht in Frage gestellt werden, sagte de Maiziere am Mittwoch dem epd in Leipzig.
Die Pläne des ZDF halte er gleichwohl für "in Ordnung", so der Bundesminister. Er würde sich wünschen, "dass auch der türkische Rundfunk den Christen in seinem Land ähnliche Möglichkeiten eröffnen würde", fügte er hinzu. Thomas de Maiziere ist Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages und der sächsischen Landessynode.
Der Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Udo Reiter, wandte sich dagegen, die rundfunkrechtlich garantierten Senderechte für die Kirchen zu Gunsten islamischer Prediger zu kürzen. Das exklusive Verkündigungsrecht der Kirchen dürfe nicht relativiert werden, sagte Reiter am Mittwoch in Leipzig bei einem Empfang zu 15 Jahren kirchlicher Rundfunkarbeit im MDR.
Ein "Wort zum Freitag" oder zu anderen Tagen führe zu einer Beliebigkeit, warnte Reiter. Trotz aller Globalisierung gehöre Deutschland zur christlich-abendländischen Welt. Muslime und ihre Glaubensthemen sollten im redaktionellen Programm ihren Platz finden, sagte der Intendant.
Der MDR hat eigenen Angaben zufolge seit 1992 fast 90 Gottesdienste im Fernsehen übertragen. Wurden im Gründungsjahr noch rund 2.000 Fernsehminuten mit kirchlichen Themen gestaltet, seien es 2006 rund 8.300 Minuten gewesen.
Sachsens evangelischer Landesbischof Jochen Bohl würdigte bei dem Empfang die Arbeit der MDR-Beschäftigten und der für den Rundfunk tätigen kirchlichen Mitarbeiter. Zugleich regte er an, der Kirche zusätzlich auch Sendezeiten im MDR-Jugendradio "Sputnik" und in der Popwelle "Jump" zu gewähren. (02802/7.3.2007)