Erstmals seit fast 500 Jahren haben Katholiken und Protestanten in Wittenberg gemeinsam einen Gottesdienst gestaltet. Bei der ökumenischen Feier in der Stadtkirche am Pfingstmontag wurde die Liturgie von dem evangelischen Pfarrer-Ehepaar Andreas und Dorothea Volkmann geleitet, während die Predigt der katholische Amtskollege Markus Lorek hielt. Der Gottesdienst war der erste gemeinsame seit Beginn der Reformation durch Martin Luther im Jahr 1517.Viele der mehr als 300 Besucher hätten im Anschluss zum Ausdruck gebracht, dass sie "lange darauf gewartet" hätten, sagte Pfarrer Volkmann dem epd. Von Gemeindemitgliedern sei zudem der Wunsch geäußert worden, solch einen ökumenischen Gottesdienst möglichst bald zu wiederholen.
Zwar seien auch vorher die Gottesdienste der Wittenberger Gemeinden stets für die andere Seite offen gewesen und Pfarrer der jeweils anderen Konfession hätten häufig als Gast gepredigt, erklärte Volkmann. Nunmehr sei aber von beiden Konfessionen ein "vollgültiger Wortgottesdienst" gemeinsam vorbereitet und gestaltet worden. Das Heilige Abendmahl miteinander zu feiern, sei jedoch zurzeit leider immer noch unrealistisch.
Die Stadtkirche St. Marien war Predigtstätte Martin Luthers. Sein vor allem gegen den Ablasshandel gerichteter Thesenanschlag in Wittenberg 1517 gilt als Beginn der Reformation, die zur Bildung der evangelischen Kirche führte. Theologische Differenzen zwischen den beiden Konfessionen bestehen vor allem beim Abendmahl, das eines der zentralen christlichen Symbole ist. Aus evangelischer Sicht sind alle getauften Christen zum Abendmahl zugelassen, dagegen untersagt der Vatikan den Katholiken die Teilnahme am evangelischen Abendmahl.