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  Grüne stellen Verfassungsklage gegen ZDF-Staatsvertrag vor
Stadelmaier und SPD-Abgeordnete setzen auf Beck-Initiative


Berlin/Mainz (epd). Die Bundestagsfraktion der Grünen hat Details zu der von ihr geplanten Verfassungsklage gegen den ZDF-Staatsvertrag vorgestellt. Mit dem Normenkontrollantrag will sie die Zusammensetzung der ZDF-Aufsichtsgremien überprüfen lassen. Die medienpolitische Sprecherin der Fraktion, Tabea Rößner, sagte am 3. Februar in Berlin, der ZDF-Staatsvertrag verstoße sowohl gegen die von der Verfassung geschützte Rundfunkfreiheit (Artikel 5) als auch gegen das staatliche Willkürverbot (Artikel 3). Der Leiter der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, Martin Stadelmaier (SPD), kritisierte die geplante Verfassungsklage.

Nach der umstrittenen Ablösung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender (epd 95/09) wollen die Grünen in Karlsruhe erreichen, dass der staatliche Einfluss auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk beschränkt wird. Rößner sagte, die Grünen wollten "keinen Schwarzfunk", sie wollten aber auch "keinen Rotfunk und keinen Grünfunk". Sie betonte jedoch, dass sie die Parteien nicht gänzlich aus den Gremien verdrängen wolle: "Staatsferne ist für mich nicht die gänzliche Ferne von Politik, sondern von Regierungen und Staatskanzleien." Sie regte an, auch die übrige Besetzung der Kontrollgremien zu überdenken und fragte, warum es kaum Vertreter von Migranten und jungen Menschen, dafür aber von Vertriebenen gebe.

Die medienpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Kathrin Senger-Schäfer, bekräftigte bei der Vorstellung des Antrags, die Abgeordneten der Linken würden der Klage der Grünen zustimmen. "Wir sind für die Staatsferne im Rundfunk", sagte Schäfer. "Die Medien müssen die Politik kontrollieren und nicht umgekehrt." Die Gremien des ZDF müssten "aus den Fesseln der Parteien und Ministerpräsidenten befreit werden". Das könne nur das Bundesverfassungsgericht leisten.

Dem Normenkontrollantrag muss mindestens ein Viertel der Bundestagsabgeordneten zustimmen. Die Abgeordneten der Grünen und der Linken kommen zusammen auf 144 Stimmen. Sie benötigen noch zwölf weitere Stimmen von Abgeordneten anderer Parteien. Rößner kündigte an, sie werde Ende Februar mit der SPD-Fraktion das Gespräch suchen, damit "die Opposition den Antrag möglichst geschlossen abgibt". Sie zeigte sich zuversichtlich, dass die Abgeordneten der SPD für den Antrag stimmen werden. "Wir rufen aber natürlich alle Demokraten im Bundestag auf, dabei zu sein", sagte Senger-Schäfer.

Dörr: "Kosmetische Korrekturen"

Der Verwaltungsrat des ZDF, der von Unionspolitikern dominiert wird, hatte Ende November mit sieben von 14 Stimmen gegen die Verlängerung des Vertrags von Brender votiert. Für eine Verlängerung wäre eine Mehrheit von drei Fünfteln notwendig gewesen. "Die Länderchefs hatten ein Vetorecht, das darf nicht sein", sagte der Mainzer Medienrechtler Dieter Dörr, der die Verfassungsklage im Auftrag der Grünen verfasste. "Außerdem war das eine Entscheidung, die das Programm tangiert. Das geht ebenso wenig", sagte Dörr.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat Anfang Dezember Vorschläge für eine Veränderung der Zusammensetzung der ZDF-Gremien vorgelegt, mit denen sich die Ministerpräsidenten der Länder Ende Februar befassen wollen (epd 97/09). Nach Ansicht von Dörr sind diese Vorschläge eher "kosmetische Korrekturen". Er frage sich auch, "ob man davon ausgehen kann, dass alle Länder Becks Vorschlägen folgen". Einer Änderung des ZDF-Staatsvertrags müssten alle 16 Bundesländer zustimmen. Dörr ergänzte, eine Grundlagenentscheidung habe zudem den Vorteil, dass sich an einem Richterspruch aus Karlsruhe auch die anderen gebührenfinanzierten Sender messen lassen müssten.

Der rheinland-pfälzische Staatskanzleichef Stadelmaier erklärte am 3. Februar in Mainz, der ZDF-Staatsvertrag sei von den Ländern beschlossen worden und könne auch von diesen geändert werden. Gerichte sollten immer erst angerufen werden, wenn es keine Aussicht auf Einigung gebe. Die politische Verantwortung der Länder werde durch eine "Normenkontrollklage zur Unzeit" von den Grünen infrage gestellt. "Es ist klug, sich zuerst an den Hausaufgaben zu versuchen, bevor es zum Nachhilfeunterricht geht", so Stadelmaier.

Auch der medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Martin Dörmann, und der Sprecher der Arbeitsgruppe Kultur und Medien der Fraktion, Siegmund Ehrmann, erklärten, die Initiative Becks könnte "deutlich schneller" zur gebotenen Veränderung des Staatsvertrags führen als ein mehrjähriges Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht. Für den Fall, dass sich die CDU einer Veränderung des ZDF-Staatsvertrags verschließen sollte, habe ihre Fraktion bereits Vorarbeiten für einen Normenkontrollantrag eingeleitet.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) rief die Abgeordneten aller Parteien auf, den Normenkontrollantrag der Grünen zu unterstützen. Es sei an der Zeit, dass das Bundesverfassungsgericht sich grundlegend dazu äußere, "ob die Zusammensetzung von Fernsehrat und Verwaltungsrat das Gebot der Staatsferne im Rundfunk verletzt", sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken.

dan/rid/dir

aus epd medien Nr. 9 vom 6. Februar 2010






 
 

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