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  ZDF reduziert Internetangebot drastisch
80 Prozent bis Jahresende gelöscht - Teils Folge neuer Rechtslage


Mainz (epd). Das ZDF wird in den kommenden Monaten sein Internetangebot drastisch reduzieren. Dies geht aus einem epd vorliegenden internen Vermerk der Mainzer Fernsehanstalt hervor. Von den heute noch unter den Adressen zdf.de, heute. de und sport.zdf.de verfügbaren Inhalten sollen bis Jahresende rund 80 Prozent aus dem Netz genommen werden. ZDF-Unternehmenssprecher Alexander Stock bestätigte dem epd am 26. Mai entsprechende Planungen.

Zur Begründung verwies Stock auf den 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der am 1. Juni in Kraft tritt und dem Online-Engagement öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten engere Grenzen setzt. Das ZDF wolle aber auch von sich aus zeigen, "dass es uns nicht darum geht, alles Mögliche im Netz vorzuhalten, nur weil es ohne Aufwand möglich ist", sagte Stock.

Dem Vermerk zufolge wird das Angebot auf heute.de um 28.000 Text-Dokumente verkleinert. Aus dem Angebot von zdf.de sollen im Laufe der nächsten Monate 46.800 Dokumente verschwinden. Aus dem Portal sport.zdf.de werden den Planungen zufolge 18.700 Text-Dokumente herausgenommen. Zeitungs- und Zeitschriftenverleger hatten wiederholt kritisiert, die Online-Portale von ARD und ZDF dürften nicht textlastig zu "elektronischer Presse" ausgebaut und den Verlagen Konkurrenz machen. Dem hat der Gesetzgeber im neuen Rundfunkstaatsvertrag Rechnung getragen.

Zeitschriftenverleger Hubert Burda hatte insbesondere an Kochrezepten Anstoß genommen, die das ZDF online anbietet. Dies sei nicht Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sondern privater Anbieter, so Burda. Das ZDF will nun drei Viertel der rund 4.000 Online-Rezepte löschen.

4000 Videos sollen entfernt werden

Auch die ZDF-Mediathek, in der Zuschauer Fernsehsendungen nach ihrer Erstausstrahlung abrufen können, wird verkleinert. Abrufvideos aus den britischen Krimiserien "Inspector Barnaby" und "Inspector Morse" soll es nicht mehr geben. Dies ist eine Konsequenz aus § 11d (5) des neuen Rundfunkstaatsvertrags. Danach dürfen angekaufte Spielfilme und -serien nach ihrer Fernsehausstrahlung nicht zusätzlich zum Online-Abruf angeboten werden. Einer ZDF-Messung zufolge waren Folgen von "Inspector Barnaby" zwischen Juli 2008 und April 2009 314.000 Mal abgerufen worden.

Aus der Mediathek sollen dem Vermerk zufolge rund 4.000 Videos (etwa 8,5 Prozent des jetzigen Bestands) entfernt werden, ebenso 6.500 Bilderserien (71 Prozent des Bestands) und 450 sogenannte interaktive Module, bei denen der Online-Nutzer selbst aktiv werden kann. Auch eigenproduzierte Programmschwerpunkte des ZDF wie zum Beispiel "Wohngemeinschaft Deutschland" zur gesellschaftlichen Integration von Migranten werden aus dem Netz genommen, sofern sie älter als zwölf Monate sind.

Dies ist Folge von neuen Zeitgrenzen, die der Rundfunkstaatsvertrag für die Online-Angebote setzt. Grundsätzlich darf jedes Abrufangebot nicht länger als sieben Tage im Netz stehen. Für Abrufangebote, die länger online stehen sollen, sowie für sendungsbezogene Telemedien müssen längere Verweilzeiten vom Sender beantragt und vom Rundfunk- oder Fernsehrat des Senders genehmigt werden. ZDF-Sprecher Stock bestätigte, dass der Sender ein entsprechendes Telemedienkonzept formuliert habe, über das der Fernsehrat demnächst berate.

Trotz der Reduzierung von Online-Videos in der Mediathek will das ZDF Stock zufolge den Fokus künftig stärker auf Videos als auf Textangebote setzen. Die kürzlich vollzogenen Relaunches von zdf.de und heute.de mit den dortigen Nachrichtenvideos hätten schon gezeigt, in welche Richtung es gehe.

Automatisiertes Programmmanagement

Für das ZDF komme es weiter darauf an, sich frühzeitig auf die künftig grundsätzlich limitierten Verweilzeiten für Online-Angebote einzustellen. Stock zufolge muss das nötige Programmmanagement technisch vom Redaktionssystem übernommen werden, weil die Menge der Online-Bestände sonst nicht zu bewältigen wäre. Nach jetzigen Vorstellungen soll der zuständige Redakteur bei der erstmaligen Online-Publikation sogleich programmieren, wann eine bestimmte Internetseite oder ein Online-Video aus dem Netz wieder zu verschwinden hat.

Das ZDF halte sich an Recht und Gesetz, betonte Stock. Auf der anderen Seite müsse man auch sehen, "dass wir damit eine Grundregel des Internets verletzen". Das Online-Medium halte seine Inhalte normalerweise zeitlich unlimitiert vor. "Nutzer lassen sich nicht gern vorschreiben, was sie suchen bzw. finden können", so der ZDF-Sprecher.






 
 

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