http://www.epd.de Evangelischer Pressedienst Deutschland de-de Evangelischer Pressedienst Deutschland (epd) WAZ setzt Verwaltungsratschef von "Romania Libera" ab Konflikt eskaliert - Overbeck Nachfolger - WAZ-Einfluss verschleiert? Bukarest (epd). Der Konflikt zwischen der WAZ Mediengruppe und ihrem rumänischen Tochterunternehmen, der Zeitung "Romania Libera", hat sich erneut zugespitzt. Die WAZ als Mehrheitsaktionärin (rund 72 Prozent) setzte am 28. Oktober den bisherigen Verwaltungsratsvorsitzenden (und Mitgesellschafter) Petre Mihai Bacanu ab. Neuer Vorsitzender sei der Manager Klaus Overbeck, der den Essener Zeitungskonzern seit längerem vor Ort vertritt. Dies teilte die WAZ als Ergebnis einer Hauptversammlung in Bukarest mit, bei der sie zusammen mit Minderheitsgesellschaftern gegen Bacanu gestimmt habe.<BR><BR>Bacanu sei "mit großer Mehrheit" und "auf Grund seiner schwerwiegenden rechtlichen Vergehen das Vertrauen entzogen" worden, heißt es in einer Mitteilung, die die WAZ auf Anfrage am 1. November herausgab. Der abgesetzte Verwaltungsratsvorsitzende bleibt allerdings bis auf weiteres Generaldirektor des Verlags "R" SA, in dem "Romania Libera" erscheint.<BR><BR>Mit einer Satzungsänderung will die WAZ erreichen, dass die Funktionen Verwaltungsratsvorsitzender und Generalmanager zukünftig getrennt werden. Nach formeller Umsetzung würden dann geeignete rumänische Persönlichkeiten für das Aufsichtsgremium, auch für dessen Vorsitz, vorgeschlagen, kündigte die WAZ an. Die Besetzung mit dem Deutschen Overbeck wäre demnach nur vorübergehend.<BR><BR>Die WAZ macht Bacanu, der "Romania Libera" nach dem Ende des Ceausescu-Regimes mit begründet hatte, vier schwerwiegende Vorwürfe. So habe er gegenüber dem zuständigen Registergericht den tatsächlichen WAZ-Kapitalanteil verschleiert. Dem Gericht sei nicht gemeldet worden, dass das deutsche Medienunternehmen schon Ende März 2002 die Mehrheit an dem Unternehmen "R" SA erwarb, indem es zu 49 Prozent 23 hinzukaufte. Als Motiv seien "betrügerische Absichten" zu vermuten. Zweitens habe sich Bacanu ein längeres Mandat als Verwaltungsratsvorsitzender "erschleichen" wollen, obwohl alle Gesellschafter schon am 21. Februar 2002 die Amtszeit in einer neuen Satzung auf zwei Jahre limitiert hätten.<BR><BR>Bacanu antwortete auf die Vorwürfe gegenüber der FAZ, es sei Wunsch des deutschen Konzerns gewesen, den tatsächlichen Besitzanteil herunterzuspielen, weil anderenfalls kartellrechtliche Probleme zu erwarten gewesen wären.<BR><BR><STRONG>Vorwurf der Auflagenfälschung<BR></STRONG>Drittens soll Bacanu die Auflagenhöhe der "Romania Libera" falsch gemeldet haben. Tatsächlich sei sie "rapide gesunken" und betrage noch etwa 44.000 Exemplare (statt vorher genannter 77.000). "Herr Bacanu hat auf die alarmierende Meldung nicht reagiert", heißt es in der neuerlichen WAZ-Erklärung zum Streitfall in Rumänien weiter. Bacanu erwiderte laut FAZ, die Auflage erreiche tatsächlich 77.000.<BR><BR>Viertens wird dem Generaldirektor des Verlags von Seiten der WAZ angelastet, seinen publizistischen Einfluss über die Zeitung genutzt zu haben, Unwahrheiten über die WAZ Mediengruppe zu verbreiten, "um sie wirtschaftlich unter Druck zu setzen". Hintergrund sei der gescheiterte Versuch Bacanus gewesen, seinen eigenen Aktienanteil für neun Millionen Euro an die WAZ zu verkaufen. Dieses der Höhe nach "völlig unrealistische" Angebot sei aber abgelehnt worden. "Danach begann die Verleumdungskampagne", so die WAZ. In der Bukarester Zeitung war u.a. WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach als Lügner hingestellt worden ("Bodo Münchhausen") (<A href="/medien_index_30539.html">epd 73</A>, <A href="/medien_index_30580.html">74</A>, <A href="/medien_index_30636.html">75</A>, <A href="/30690.htm">76/04</A>).<BR>Vorkehrungen gegen Redaktionsstreik<BR><BR>Der neue Verwaltungsratsvorsitzende Overbeck sagte dem epd am 1. November, auch an diesem Tage seien wieder mehrere Artikel mit einer WAZ-kritischen Stoßrichtung erschienen. "Er setzt seine Kampagne fort", so Overbeck. Es herrsche ein "unsicheres Betriebsklima". Die rund 440 Mitarbeiter, davon 150 Redakteure, seien desorientiert, wer ihr Chef sei, da neben ihm, Overbeck, auch noch Bacanu als Generaldirektor im Amt sei. Der neue Verwaltungsratsvorsitzende deutete gegenüber epd an, man sei auf die Möglichkeit eines Streiks der Stammredaktion vorbereitet. Das Erscheinen wesentlicher Teile der Zeitung wäre in diesem Fall sichergestellt.<BR>Wie die "Romania Libera" in eigener Sache berichtete, sei es in der Nacht zum 29. Oktober an den Druckmaschinen bereits zu Auseinandersetzungen zwischen Mitarbeitern gekommen, um die Herstellung bestimmter redaktioneller Seiten durchzusetzen bzw. zu verhindern.<BR><BR>Bacanu fühlt sich an eine Situation wie 1989 erinnert, "als die von Ceausescu geschickten Minenarbeiter in die Redaktion eindrangen und alles zerstörten". Wie er der FAZ sagte, sei es diesmal die Mediengruppe WAZ, die alle organisatorische und redaktionelle Verantwortung "mit Gewalt übernehmen will - ohne die Zustimmung der Redakteure".<BR><BR><STRONG>Stammredaktion fürchtet Kündigung<BR></STRONG>Nach Angaben aus der Zeitungsredaktion in Bukarest haben sich fast alle 150 Redakteure hinter ihren Herausgeber Bacanu gestellt, auch nach dem jüngsten WAZ-Vorwurf des gescheiterten, weil überteuerten Aktiengeschäfts. Grund sei, dass die WAZ seit dem Frühsommer über Overbeck mit vielen Einzelanweisungen darauf gedrängt habe, die rumänische Regierungspartei PSD (Sozialdemokraten) nicht mehr so hart zu kritisieren; Overbeck und die WAZ bestreiten dies.<BR><BR>Mit Sorge, so hieß es am 2. November in Bukarest, beobachteten die Mitarbeiter, dass die WAZ "in aller Stille eine Parallelredaktion aufgebaut" habe. Die Stammredaktion rechne deshalb damit, dass kurz- bis mittelfristig alle Inhaber von Leitungsfunktionen gekündigt würden. Währenddessen hat WAZ-Chef Hombach angekündigt, die Auseinandersetzungen in Bukarest würden nur noch auf dem Rechtsweg ausgetragen.<BR><BR>Der Konflikt war seit Anfang September eskaliert. Die WAZ beruft sich auf ihr Recht und die Notwendigkeit, die "Romania Libera" lesbarer zu gestalten. Bacanu und die ihm verbundenen Journalisten vermuten dahinter aber einen Trend zu Boulevardisierung und Entpolitisierung. Die WAZ wies den Vorwurf der Einflussnahme erneut zurück: "Nie und durch niemanden" habe sie Einfluss auf die politische Berichterstattung ihrer Zeitungen genommen. &nbsp;<BR><BR><EM>lili</EM> <P><A href="/medien_index_31236.html">epd medien, Nr. 86, 3. November 2004</A></P> http://www.epd.de/medien/medien_index_31270.html 14.12.2004 10:15:14